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daß die Krankheit leichter ist, sondern weil sie dieselbe noch vielLeichter macht.
Es ist nicht schwer zu beweisen, daß man dieser Hoffnun-gen, dieses Muthes, dieser Standhaftigkeit, auch unabhängigvon dem Körper, Meister ist. Jeder Mensch Hat in gesundenwie in kranken Tagen seine Plage; wir finden alle in demLabyrinthe dieses Lebens Dornen unter Rosen, Leid an demBusen der Freude. Je besser nun jeder Mensch in der Gesund-heit sein Joch tragen gelernt, desto besser wird er es tragen,Jvenn er krank ist. Je mehr er sich hingegen der Ungeduldbey allen Vorfallenheiten in gesunden Tagen überlassen, destoungeduldiger und häffiger wird er in Krankheiten seyn. Wirsollen uns gewöhnen, unsere Norh zu tragen, nicht zu fühlen;denn man weiß, was für Wunder die Gewohnheit im Mora-lischen wie im Physischen wirkt. Nur die Lauigkeit unsersWillens gebiert unsere Schwachheit, sagt Rousseau, der immerthut, was er sagt; man ist immer stark genug, das zu thun,was man stark will; das Wort Tugend stammt von Stärke,die Stärke ist die Grundlage jeder Tugend, und die Tugendgehört nur sür ein Wesen, das schwach durch seine Natur, undstark durch seinen Willen ist. Darum verträgt ein Kranker, derdas Unglück gekannt, seine Krankheit unendlich besser, als derKranke, der immer >'m Glücke gelebt Hat; jener will seine Krank-heit vertragen, dieser will es nicht. Er will es nicht, weil sieihm die unausstehliche Gleichheit unter den Menschen zu fühlengibt, die der Tod vollendet. Er will es nicht, weil dannzu-mal Ordensbänder ein Puppenspiel, Palläste eine Wüsteney,und Reichthümer ein nutzloser Staub find. Er will es nicht,weil anf dem Sterbebette auch dem glänzendsten und erhaben-sten Geiste unter den Menschen nichts übrig bleibt, als dasBewußtseyn seiner Unschuld. Je mehr sich also jeder Menschüber seine Krankheit ärgert, desto gewisser ist es, daß sie inkurzem mächtiger seyn wird als er.
Die Standhaftigkeit ist ein gutes Zeichen in allen Krank-heiten. Der gegenwärtige Tod scheint mir nicht so furchtbar,als die bloßen Wirkungen der Kleinmuth. Sterben muß man.