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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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fo sehr, daß er oft des UeberresteS nicht einmal gedenkt; zu-weilen malt er die ganze Krankheit, durch die Kenntniß un-terstützt, mit dem Pinsel der Natur. Einige trieben zwar die-sen Fleiß zu weit. Avicenna vervielfältigte ohne Grund die^ Zeichen der Krankheiten; ein Fehler, der nur zu sehr nachge-ahmt worden, weil er leicht ist. Der Geschmack für die Zei-chenlehre nahm ab, als man die Natur nicht mehr in der Na-tur gesucht. Er verschwand unter der Herrschaft des Paracel-suS und der Chemisten, die, ihre närrische und pöbelhafte Harn-gelehrtheit ausgenommen, um die Zeichen unbekümmert, dieKrankheiten heilen wollten, ohne sie zu kennen, und nicht so-wohl auf einzelne Arzeneyen, als auf eine Univcrsalarzeney dach-ten , alle Krankheiten in einem Hiebe zu töden. Die mathe-matischen Aerzte suchten die Natur in ihren Ausrechnungen,

, und vergaßen die Geschichte der Krankheiten und ihrer Zeichen.

Sydenham, Baglivi, Stahl und Bocrhave haben den Ruhm,

§ daß ste uns von neuem mit großem Bestrebe» auf diese königli-! che Straße geführt. Endlich sagt auch in dieser Absicht die^ siegende Kraft der Wahrheit von einigen Lehrjüngern des Boer-l have, was nach einem Chinesischen Weltweisen die höchste Stufe! des Ruhms ist: ihr Jahrhundert konnte sie nicht missen.

: Die Deobachtungskunst ist also in Absicht auf die Erfah-

! rung von der größten Wichtigkeit, weil die Naturgeschichteder Krankheiten die Grundfeste der Wissenschaft des Arztes ist.Aber man kann auch die Beobachtungskunst verstehen, und dieganze Kunst zu Schließen, nicht; darum heischt der Beobach-tungsgeist, damit er zu der Erfahrung gelange, die Beyhülfedes Genie. Jener merkt auf alles, was in die Sinne fällt,dieses sieht den Zusammenhang der allgemeinen Wahrheiten.Jener eröffnet die Wissenschaft der Begebenheiten, dieses dieWissenschaft der Sachen. Der Beobachtungsgeist zeigt uns,was Hippokrates lehrte, das Genie, was Galenus lehrenwollte.

- Saadi erzählt, man habe den weisen Lockmann gefragt,> von wem er seine Weisheit erlernt. Von den Blinden, ant-i «ortete dieser Indianer, die den Fuß niemals stellen, ohne von