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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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245
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aller Fälle zu Hülfe, wen» er in jedem besondern Falle nichtStoff genug zu richtigen Schlüssen hat; das Sichtbare fuhrtihn auf das Unsichtbare. Oft liegen die Krankheiten so sehrim Dunkeln, ihre Abänderungen sind so verwirrt, ihr Aus-gang ist so ungewiß, daß der Arzt errathen muß, ehe er ge-sehen hat, und zu den Mitteln eilen muß, ehe er die Krank-heit kennt. Den höchsten Grad der Wahrscheinlichkeit zu fin-den, wird die gegenwärtige unbekannte Krankheit mit ähnlichenbekannten Krankheiten, jeder in diese Krankheit einsließendeunbekannte Umstand mit ähnlichen bekannten Umständen ver-glichen. Auch die Methoden werden oft und die Mittel meh-rcntheils nur darum gewählt, weil sie in den meisten ähnlichenFällen dienlich gewesen, und weil es daher wahrscheinlich ist,daß sie auch in dein gegenwärtigen Falle dienen werden.

Man ist einstimmig, daß die ersten Menschen durchaus nachfolgenden Grundsätzen geschlossen haben muffen: Sie sahen,daß diejenigen, welche starben, diesen oder jenen Fehler, wieeS schien, begangen hatten, und schloffen, vielleicht sey ausdieser Ursache die Krankheit tödtlich geworden. Im Gegen-theil sahen sie diejenigen genesen, welche sich in ihrer Krank-heit auf diese oder jene Weise betragen und diesen oder jenenin gesunden Tagen nicht gewohnten Weg eingeschlagen hatten;daher schloffen sie, dieses Betragen sey vielleicht die Ursache ih-rer Genesung. Darum wichen sie später dasjenige aus, wasin dem ersten Falle ihnen schädlich geschienen; darum versuchtensie bey Andern in ähnlichen Krankheiten, was in dem zweytenFalle das Ansehen eines Nutzens gehabt, und nahmen dasselbeals ein Hülfsmittel an, wenn sie in verschiedenen Fällen davoneinen glücklichen Ausgang gesehen. Aus diesen Betrachtungensetzten die Babylonier und Chaldäer ihre Kranken aus die Stras-sen , und gaben ein Gesetz, daß jeder Vorübergehende, deretwa in ähnlichen Umständen gewesen, dem Kranken entdecke,wie er der Gefahr entgangen sey. Nach vielen Jahrhundertengalt dieses Gesetz noch in Assyrien und, wie Strabo sagt,auch bey den Lusitaniern und Asturiern. Ein Vorbeygehenderfrug, was habt ihr fnr eine Krankheit? man antwortete ihm,