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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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253
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wenn man richtig schließen will. Aber wenn man aus der Er-fahrung weiß, es werde durch dieses oder jenes ein gewisserZweck erreicht, so glaubt man oft ohne genügsamen Grund,er werde in allen Fallen erreicht. Denn da, nach Wolfs Aus-spruch , die Klugheit der meisten Menschen in NachahmungAnderer, oder auch ihrer eigenen vorhergehenden Handlungenin sich ereignenden Fällen besteht, so bekümmert man sich nicht,ob in dem einzelnen Falle, von dem man schließt, nicht etwaein besonderer Umstand vorkomme, der sich in dem andern nichtbefindet. Man schließt ohne Scheu, dieses Benehmen war mirin einem ähnlichen Falle nützlich, darum wird es mir immer nützlichseyn; dieses Mittel war in jenem Falle gut, darum ist es auchin diesem gut; ich ward auch schon ohne Mittel gesund, folg-lich kann ich immer ohne Mittel gesund werden. Nach Leib-nitzens Meinung vertritt die Erwartung ähnlicher Fälle beyden Thieren die Stelle der Vernunft. Mich dünkt, auch beyMenschen.

Obschon die Arzeneykunst, unstreitig bisweilen ungewißist; obschon es die Aerzte sehr oft sind, und die größten Gei-ster mehr als die kleinsten; obschon Bacon mit Recht gesagt,sie gehöre unter die schwersten Wissenschaften, und, so wie siein seinen Zeiten beschaffen gewesen, unter die ungewissesten,-so scheint mir doch diese Kunst weit über die Vorwürfe einesSextus, eines phantastischen Leonards von Capua, und ihrerNachsprecher hinaus.

Ein Genie der ersten Ordnung macht einen Unterschiedzwischen der eigentlichen Gewißheit und der Erfahrungsgewiß-heit. Diese Unterscheidung des Herrn d'Alembert hebt die Ein-würfe des Lords Boelingbroke wider die Jnduetion, die frey-lich nur zu der menschlichen, nicht zu der vollkommenen Er-kenntniß führt. Wir haben alles gethan, was wir thnn kön-nen, wenn wir in zweifelhaften Fällen Grundsätze annehmen,die diese Erfahrungögewißheit haben, obschon unsere darausgezogenen Vernunftschlüffe nur bloß wahrscheinlich sind. DieseWahrscheinlichkeiten sind um so weniger zu verachten, weilsie auf Beobachtungen und also auf Erfahrungssätzen beruhen,