/ Kranken unter den Händen hat, so schreyt der Pöbel, es gehealles gut; denn er ist unter den Handen seines Günstlings,l Dieses Geschrey wird unveränderlich wiederholt, wenn auchl im ersten Falle alles gut, und im zweyten alles schlimm geht.l Herr von Haller hat ungemein schön den Verstand mit dem/ Licht, den Willen mit dem Feuer verglichen. Jenes wirkt(Agilst, sagt er, dieses heftig.
So gibt es auch Aerzte, die wünschen, daß ein andererArzt, der ihnen unerträglich ist, in seinen Urtheilen sich im-mer betriege, und die ihn darum niemals durch seine Thatenbeurtheilen, sondern immer durch ihren Willen. Ein sungerliebenswerther Herr besuchte mich einst des Morgens frühe,und sagte mir bey dem Eintritt in mein Zimmer: Ich habeden Seitenstich. Mit den, Seikenstich läuft man so weit nicht,gab ich zur Antwort; euren Puls, mein Herr; der Puls istlangsam und sanft. Habt ihr den Magen verdorben? Ja, ichhabe eine Menge Gebackenes gcspiesen. Also habt ihr nicht denSeitenstich, sondern einen verdorbenen Magen; hier ist eineDose Rhabarber; lebet- wohl. Des Nachmittags sah ich die-sen Herrn wieder, die Rhabarber hatte sein Gebackenes abge-führt, aller Schmerz war weg, und er ging spazieren. DesAbends kam ich in eine große Gesellschaft, in welcher sich auchein Arzt befand. Man redete von Sachen, die himmelweitvon Kranken und Aerzten entfernt waren. Plötzlich erhob dieserArzt ein erbärmliches Geschrey und sprach, eS gibt Leute, die sichüberfressen, und dumm genug sind, sich überreden zu lassen,sie haben den Seitenstich; das heißt man große Euren.
Der Wille der Menschen ist Schu d, daß sie bisweilen, inihren Urtheilen zu aller Schamhaftigkeit verwahrloset, mit er-habener Stirn Gott und der Welt ins Angesicht lügen. Wäh-rend meinem Aufenthalte in Göttingen erzählte mir einst Herrvon Haller, man begehre von der medieinischen Facultät einGutachten über nachstehenden Fall. Ein Ehemann hatte aufdem obersten Boden seines Hauses sein Weib mit einem Ham-mer ermordet, und darauf ihren todten Körper in die Straßehinunter geworfen. Der Advocat sagt in der eingeschickten Ver-