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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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Kunst wohl auszuüben, als eine» Künstler ungeschickt zu ver-leumden; denn die Liebhaber dieser Einwürfe verstehen insge-mein weder die Natur der Krankheiten, noch die Natur derMittel. Darum ist eS ihnen allerdings viel leichter, dem blin-den Ungefähr zuzuschreiben, was eine Wirkung des bekanntenVerhältnisses zwischen dem Mittel und der Krankheit ist.

Zuweilen ist die Mannigfaltigkeit der Ursachen einer Bege-benheit so groß, daß eS dem scharfsichtigsten Arzte unendlichschwer fällt, diese Mannigfaltigkeit zu entwickeln. Er hatalles gethan, was jeder andere Arzt nach der Anleitung desaufgeklärtesten Verstandes in den gleichen Umständen hätte thunkönnen; er hat die Krankheit in ihrem Anfange und Fortgangeauf das genaueste beobachtet, ihre Ursachen mit der äußerstenSorgfalt erforscht, seine Anzeigen auf unumstößliche Gründeerhoben, die Natur selbst hat ihm die Methoden und die Mit-tel gezeigt; gleichwohl verfehlte er seine» Zweck, und nur dasallertiefste Nachdenken kann ihm in der unglaublichen Mengeder hierbey zu entfaltenden Ursachen zeigen, warum er ihn ver-fehlt hat. Der Pöbel wird alles zum Nachtheil dieses ArzteSentscheiden, ohne im geringsten zu wissen, was er gethan odernicht gethan hat.

Gute Köpfe verfallen sogar in dergleichen Irrthümer. EinKranker stirbt, nach einem langen beschwerdevollen Leben, nacheiner wichtigen und vermöge ihrer Natur unüberwindlichenKrankheit in einen, Alter, das an sich eine tödtliche Krankheitist. Weil man will, daß der Arzt nicht nur zu helfen wisse,wenn die Hülfe möglich, sondern auch wenn sie unmöglich ist,so muß die Erschöpfung der Wissenschaft deü Arztes die nächsteund unwidersprechlichste Ursache dieses Todes seyn.. Niemanderinnert sich der vielfachen Erschöpfung des Kranken.

Die lächerlichen Urtheile von glücklichen und unglücklichen /Aerzten fließen theils aus der Unfähigkeit, zusammengesetzte Be- !griffe zu entfalten, und theils aus dem verdorbenen Willen.Bacon sagt, ein Staatsmann und ein Arzt haben fast gar keine 'sGelegenheit, in welcher sie einen unwidcrsprechlicheu Beweis ih- srer Fähigkeiten an den Tag geben können; alle ihre Ehre und !