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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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264
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alle ihre Schande hange von dem Ausgang ab, weil die we-nigsten Menschen wissen, wenn der Staat blühet oder sinketund der Kranke gesund wird oder stirbt, ob das Eine oder dasAndere das Werk des Staatsmanns, und des Arztes sey. Derunwissendste unter allen Menschen sieht den aufgeklärtesten Arztfür den dümmsten unter allen Menschen an, sobald ihm einKranker stirbt; tausend glückliche Euren werden inzwischen ver-gessen, weil man will, daß ein aufgeklärter Arzt nicht glück-lich, sondern unglücklich sey. Der elendeste Kopf getraut sichvon einem Arzte zu versichern, er sey glücklich, weil er zudumm ist, die einfältigen Ursachen zu finden, warum in diesemoder jenem Falle ein Kranker dem glücklichen Arzte nicht ge-storben ist, oder weil er will, daß dieser Arzt glücklich sey.Er versichert auf die entscheidendste Weise, ein anderer sey un-glücklich, weil die Ursachen dieses vermeinten Unglückes allzutief vor ihm verborgen liegen, oder weil er will, daß dieserArzt unglücklich sey. Der vortrefflichste Arzt ist nicht immerglücklich, der elendeste Arzt ist nicht immer unglücklich, weildaS Glück eines Arztes sehr oft ein Zusammenfluß verschiedenervortheilhafter Umstände ist, welche die Wünsche eines Arztesbegünstigen, ohne daß er selbst dazu etwas beyträgt.

Man verfehlt die Ursachen, wenn man bey ihrer Erforschunganstatt auf alle Umstände zu sehen, nur durch den Ausgangauf die Ursachen schließt. In den ältesten und barbarischenZeiten von Egypten wurden die Aerzte nach dem Ausgangallein belohnt oder bestraft, doch mit dem ziemlich vernünf-tigen Unterschied, daß die Strafe nur dannzumal Platz hatte,wenn die Aerzte nickt den besten bekannten Methoden, das ist,den Büchern des Hermes gefolgt waren. Der Pöbel verstehtin unsern aufgeklärten Zeiten unter der Ursache einer Wirkungdasjenige, was der Wirkung unmittelbar vorhergeht. Seineganze Logik ruht auf dem einzigen Grundsätze, dieses ist nachjenem geschehen, folglich ist jenes die Ursache von diesem. DerDonner schlägt oft in die Bäume, nachdem sich Reisende dar-unter geflüchtet haben, folglich sind die Reisenden die Ursa-chen , daß der Donner in die Bäume schlägt.