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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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sich schon eine gefährliche Krankheit ist, so sey sie ungemeingefährlich, wenn sie auf eine andere Krankheit, und besondersauf ein sehr altes Quartanfieber folgt. Huxham bemerkt, wasich oft gesehen, daß diejenigen, welche nach einer alten Eng-brüstigkeit in eine wässerichte Geschwulst an den Füßen ver-fallen, von der Engbrüstigkeit zwar befreyt werden, aber wenndie Geschwulst auch von selbst verschwinde, so komme die Eng-brüstigkeit wieder. Ich finde bey Baglivi die gleichen Wahr-nehmungen und die gerechtesten Klagen über die dem ungeach-tet unausbleiblichen Vorwürfe des Pöbels.

In einer Krankheit, auf welche ein geschwinder Tod folgt,müssen allemal die von einem geschickten Arzte gebrauchten Mit-tel die Ursache dieser Geschwindigkeit seyn. Nichts ist abermalin den alten und neuen Zeiten gemeiner gewesen, als Krank-heiten , die ihrer Natur nach plötzlich, oder wenigstens sehrgeschwind und wider alles Vermuthen tödtlich werden. Dieeinen sterben plötzlich von einem Schlagflusse, andere von einerschnellen und großen Ohnmacht, andere von Erstickungen,andere von einer Ausspannung der großen Pulsader oderdes Herzens, und ihrer darauf folgenden Zerreißung. —Man sieht unter den Soldaten sehr oft hitzige Fieber, die denzweyten und dritten Tag mit dem Tod enden. Der Gedär-mekrampf mit der Colik von Entzündung tödtet nach Boer-have'S Wahrnehmungen zuweilen in einer Stunde. In derColik von Würmern sieht man nicht nur Kinder, sondern auchErwachsene plötzlich niederfallen und sterben. In allen diesenFällen werden die unschuldigsten Dinge mit dem Titel der Ur-sache des Todes gebrandmarkt, weil sie in der Zeit des LodeSsich zugetragen, nicht weil sie töden. Ohne Widerrede wirdvon den meisten Menschen ein wahrer Arzt verdammt, wennauf ein wichtiges aber unschuldiges Hülfsmittel der Tod folgt,da man doch allemal untersuchen sollte, ob die Krankheit nichtso wohl habe töden können, als der Arzt. Darum muß ein Arztnicht nur geschickt seyn, wenn er eine Cur übernehmen will, sonderner muß auch herzhaft seyn, und die Ungerechtigkeit der Menschennicht scheuen, die ihren Beyfall nur dem guten AuSgang geben.