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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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den letzten Zeiten, und besonders in unserm höchst verderbtenJahrhundert, tausend Detrügereyen für Wahrheit ausgegeben,und von dummen Mönchen und Priestern verfochten werden.Diesem in sein Hospital gebrachten Priesterteufel also gehörigauf den Leib zu kommen, stellte der Herr Leibarzt von Haeneine ganze Reihe Krankenwärter rings um die besessenen Wei-ber in Schlachtordnung. Jeder war mit einem guten Eimervoll Wasser bewaffnet; jeder hatte von dem Herrn Leibarzteden Befehl, daß, sobald nach dem Ausspruche der Namen Got-tes, seiner Heiligen und der heiligen Dinge, dieser Teufel dieWeiber nach seiner Gewohnheit reite, sobald soll urplötzlich einKrankenwärter nach dem andern seinen Eimer dem Teufel inSMaul schmeißen. Das erstemal hatte man ein ziemlich großesFaß mit Wasser vonnöthen. Da aber die angeblich besessenenBetrügerinnen hörten, daß sie nachwärtS bey allen ihren Con-vulsionen das gleiche Schicksal haben sollten, wurden sie aufeinmal gesund, und ihre Convulsionen hörten so gut auf, alsdie Convulsionen der Jansenisten bey dem Grabe des AbteSParis, da der König von Frankreich diesem todten Heiligenbefohlen, nicht mehr Wunder zu thun.

Nur die Unwissenheit der Dinge, die uns umgeben, undalles dessen, was um uns her wiederfährt, zeugt den Aber-glauben. Ich sehe, daß ein abergläubischer Mensch nichts un-ternimmt, ohne vorher den Kalender um Rath zu fragen. Hater einen Seitenstich, so stürzt er sich lieber in die Gefahr öeSTodes, als daß er sich an einem Tage eine Ader öffnen ließe,an welchem, diesen Sternpossen zufolge, nicht gut Ader lassenist. Er glaubt, alles steige aufwärts, wenn der Mond imAufnehmen ist, darum schluckt er in dieser Zeit keine Purgatz,aus Furcht, sie werde ein Brechmittel. Er glaubt, alles werdevoll, wenn der Mond voll ist, darum trinkt er in dieser Zeit,bey der äußersten Mattigkeit, keinen Wein. Er glaubt, alleseile niederwärts, wenn der Mond abnimmt, darum hofft er,jedes Mittel und jede Speise werde ihn in dieser Zeit purgiren.Er mag so krank seyn, als er immer will, so nimmt er keinMittel, von was für Art es immer sey, wenn der Mond im