277
Stier ist, aus Furcht, dieses wiederkäuende Thier jage seinMittel aus dem Magen in den Mond. Er hält kein Krautfür gut, wenn es nicht in einer guten Stunde gepflückt wor-z den; er hält keine Wurzel für gut, wenn sie nicht am Char-i freytag auSgegraben ist. Er läßt sich zwar an einem guten
» Tage eine Ader öffnen, aber er wirft das Blut in das lau-
f sende Wasser. Er schluckt, wenn alle Zeichen gut sind, einef ungerade Anzahl Pillen, aber niemals eine gerade. Er streicht,wenn er verwundet ist, die Salbe an das Werkzeug, das ihnverwundet hat, aber nicht an die Wunde. Er legt einem» Kranken, damit fiel, die Haut unten an dem Rückgrat durchein langes Lager nicht abstreife, nicht eine Hundshaut unteri den bloßen Rücken, aber eine Schüssel voll Wasser unter das
^ Wett. Er räth für ein Wechselfieber kein Mittel, weil der
Kranke nur seine Nagel schabt, das Abgeschabte einem Krebsauf den Rücken bindet, und sein Fieber mit dem Krebs hintersich in einen Fluß wirst. Er räth für die fallende Suchtkeine Mittel, aber er trägt sie auf einen Kreuzvogel, indemj er den Kranken das Wasser trinken lässt, von welchem der
Kreuzvogel auch getrunken hat, oder er hängt ihm, nach derVorschrift des Hepenmännleins in Bayern, ein paar Sprüchei aus der Bibel mit etwas Moos aus dem Schädel eines Ge-
f hängten auf die Brust. Er nimmt für seine Hypochondrie keine
' Mittel, denn von dieser muss abermal der Teufel, dieser allge-
! meine moralische Packesel aller unserer Schwachheiten und Ge-
brechen, die Ursache seyn.
Diese und andere höchsterbärmliche Weiblichkeiten findetman mehrentheils in einer schönen, denselben entgegengesetztenAbhandlung des berühmten Gottesgelehrten Samuel WerenfelSgeschildert. Nicht weniger als sechshundert Beyspiele noch herr-schenden Aberglaubens erzählt der Verfasser eines nicht wohl ge-schriebenen, aber für Leute die nicht Verstand genug haben,das Allgemeine aus den vortrefflichen philosophischen Gedan-ken des Herrn Professor Meier von den Wirkungen des Teu-fels auf dem Erdboden im Besondern anzuwenden, sehr nützli-chen Buches, mit der Aufschrift: Die gestriegelte Rsckcnphi-losophie.