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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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gestorben, wenn man ihren Magen und Gedärme damit nichtvollgepfropft, und alle Gattungen von Convulsionen erzwungenhätte.

Die Leute glauben ihre Erfahrung anführen zu können,wenn sie einen einzigen Fall gesehen haben, der das Gegen-theil von dem, was gesagt wird, zu beweisen scheint. Siehaben recht gesehen, und schließen falsch. Ein Weib sagt,mein Kind schrie, ich legte eS an die Brust, es schwieg; folg-lich muß man alle Kinder an die Brust legen, wenn sie schreyen,ich habe eS aus der Erfahrung. Umsonst antwortet man,euer Kind schwieg, weil es dürstete; jetzt kommt dieses Schreyenaus einem Grimmen in den Gedärmen; dieses Grimmen vsneiner starken Säure, und in diesem Falle ist die Milch höchstschädlich. Alles, was rund umher weiblich ist, schreyt, legtdas Kind an die Brust; die Gevatterin hat eS aus der Er-fahrung.

Diejenigen, welche durch den Ausgang beweisen wollen,daß ein Arzt geschickt oder ungeschickt sey, glauben sich eben-falls durch die Erfahrung unterstützt. Sie sehen und erfahren,daß einem schlechten Arzte ein Kranker gesund wird, und einemguten Arzte ein Kranker stirbt, aber sie bekümmern sich nichtzu erforschen, ob beyde Kranke die gleiche Krankheit, in einemgleichen Grade, und durchaus unter gleichen Umständen gehabt.Genug, der eine ist gesund worden, und darum ist der schlechteArzt ein großer Arzt; der andere ist gestorben, darum ist dergute Arzt ein schlechter Arzt. Beydes glaubt man aus derErfahrung zu wissen, da doch diese Erfahrung gar nichts be-weist, und der Schluß grundfalsch ist. Die große Ungleichheitder Krankheit hat den einen gesund gemacht, und den anderngetödet. Hieraus fließt weder, daß der Arzt des einen geschicktsey, noch der Arzt des andern ungeschickt.

" Der ist ein schlechter Arzt, der durch seine Handlungenzeigt, daß er keine Gelehrsamkeit, keinen Beobachtungsgeist,und kein Genie hat. Der ist ein geschickter Arzt der durchseine Handlungen zeigt, daß er diese Vorzüge hat. Nun isteS nicht möglich, daß der Pöbel die wahren und unwidersprech-