Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
Seite
293
JPEG-Download
 

293

tausend sechshundert und nenn und neunzig Wirkungen, dasist, so viele nach der Lehrart deS Herrn von Sauvages in derGattung verschiedene Krankheiten, und auö hundert Ursacheneine unendliche Menge entständen. Indeß sind die Arten derKrankheiten bestimmt, und die bis Kicher beschriebenen Gattun-gen erstrecken sich nach Herrn von Sauvages nicht über drey-tausend. Aus diesen Betrachtungen kam Stahl auf den Ein-fall, eine Abhandlung von der Seltenheit der Krankheiten zuschreiben. Er hat in derselben gezeigt, die Lehre von denKrankheiten sey darin hauptsächlich fehlerhaft, daß man allzu-^ gemeine und alltäglich vorkommende Erscheinungen zu Ursachen' von Krankheiten mache, und daß nicht nur kein Mensch eineneinzigen Tag gesund wäre, sondern nothwendig in einem Tagel mit vielen Krankheiten auf einmal behaftet seyn müßte, wenn

! sich die diesen Ursachen zugeschriebene Wirkungen in der That

verhielten, wie man sagt. Mich dünkt, der vortreffliche Stahlhabe sich bey diesen Einwürfen nicht erinnert, daß die Aerzte^ das Wort Ursache in einem weitläufigen Sinne nehmen, undi überhaupt durch Ursache alles verstehen, was bey der Hervor-^ bringn!, g einer Krankheit mitwirkt, ohne es darum für die ei-f gentlich« Ursache der Krankheit anzugeben. Folglich redet nie-! mand von Ursachen ohne Wirkung, oder Wirkungen ohne Ursache.

! Wir müssen uns gleichwohl bemühen alle Ursachen eineri Wirkung zu wissen. Unsere Urtheile sind allemal sehr fehler-

l hast, wenn wir, anstatt alle Ursachen zu zergliedern, an einer

- hangen. Vor Boerhave fielen die meisten Aerzte in diesen Irr-

thum, er hingegen lehrte die Mannigfaltigkeit der Ursachen einereinzigen Wirkung. Galcnus hatte eine einzige Ursache für allegenommen, da er sagte, die Wärme sey die Ursache der Ver-dauung; er überging das Athemholen, die Bewegung des Ma-gens, die Erweichung der Speisen in der Feuchtigkeit des Ma-gens, und zuletzt vergaß er, daß die Verdauung auch von derWärme ganz unabhängig seyn kann, weil die Fische ohne Wär-me verdauen. Morgagni sagt, die Mannigfaltigkeit der Ur-sachen sey auch in einer einzigen Krankheit weit größer, als, gemeine- Köpfe glauben; die gleiche Krankheit könne einfach