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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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kannt sind. Auf diese Weise wird überhaupt bey der Untersu-chung aller verwickelten Krankheiten verfahren, es sey nun, daßzwey, wie die Lustseuche und das Podagra, oder drey, wiedie Lustseuchc, das Podagra und der Scorbut, sich verbinden.

Die Zerlegung der Ursachen ist also bey jeden einzelnenKranken sehr weitläufig, seine Krankheit sey nun einfach oderzusammengesetzt. Alles beruht hierbey auf der Kunst zu fragen,und diese Kunst ist nicht so leicht, als man glaubt, weil manhören muß, wie ein alter Practiker eine ihm noch unbekannteKrankheit durch Fragen untersucht, wenn man wissen will,wie wenig der Unverstand einsieht, was er frägt, und warumer frägt. Rousseau bemerkt darum sehr wohl, daß die Kunstzu fragen, mehr die Kunst der Lehrer, als der Lehrlinge ist,und daß man schon vieles muß gelernt haben, damit man nachdemjenigen fragen könne, das man noch nicht weiß. Die In-dianer sagen, der Gelehrte ist unterrichtet und frägt, aber derUnwissende weiß nicht was er fragen soll.

Vermittelst wohl gemachter Fragen werden alle Umstände ge-funden , durch welche der Arzt zu der Kenntniß der wahrenUrsache der Krankheit steigen muß. Man untersucht nicht nur,was in der Luft auf den Kranken wirken konnte, was der Ortseines Aufenthalts, die Jahrszeit und die eigene Beschaffenheitdieser Zeit vermochten; was er in Ansehung der Bewegung,oder der Ruhe, des Schlafens, oder der Wachens, des natür-lichen Abgangs und seiner Verhüllung, der Leidenschaften, undvieler anderer äußerlicher Dinge fehlen können, sondern manerforscht auch alles, was den Kranken in Absicht auf die vor-hergegangene Beschaffenheit seines Körpers anzieht. So erhellt,wozu der Körper des Kranken geneigt ist, und was mit dieserNeigung nunmehr die gegenwärtige Krankheit hervorbrachte.

Man hat zwar bemerkt, daß jede Krankheit nicht die Wir-kung so vieler Ursachen ist, als sich doch in dem gegenwärti-gen Kranken verbinden. Die hierüber gemachte Berechnungzeigt, daß keine Krankheit der andern ähnlich wäre, wenn jededieser Ursachen durch eine eigene Wirkung in dein Kranken sichäußerte, und daß nur aus sieben Ursachen auf diese Weise vier-