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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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295
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können; welcher schreyt und beweist, baß der Salpeter erhitze,und der Pfeffer kühle. Hieraus lernen wir die Wirkungen derNatur von den Wirkungen der Kunst unterscheiden, weil wiraus der analytisch erworbenen Kenntniß der Ursache hinwiedersynthetisch wissen, was die Ursache vermag, und darum einergegebenen Arzeney niemals Wirkungen zuschreiben, welche un-mittelbar aus der Natur der Krankheit fließen. Die kleinstenUrsachen haben eine erstaunende Wirkung, wenn sie unausge-setzt wirken, wie z. E. kleine alltäglich begangene Fehler wi-der die Diät, ein kleiner alltäglich wiederkommender Verdruß.

Man muß auch die Größe der Ursachen mir der äußerstenSorgfalt erforschen. Die Größe der Ursache einer gegebenenKrankheit erhellt aus der Beschaffenheit der Theile, auf welchesie gefallen ist, aus dem Charakter der Krankheit, aus derMenge, Größe und Heftigkeit der Zufalle, aus der gänzlichenUnnützlichkeit der besten Methoden und der besten Mittel. Allediese Eigenschaften der Größe einer Krankheit finden sich ineiner Gattung Colik, die ich in dem ersten Capitel des drittenTheils beschreiben werde, und die aus einer krampfigen ßusam-menziehung der Gedärme, und aus ihrer Entzündung fließt.

Endlich läßt es sich aus der Erfahrung erweisen, daß Wir-kungen und Ursachen nicht selten ihre Bestimmungen vertauschen,und daß also eine Begebenheit bald die Ursache, bald die Wir-kung einer und eben derselben Veränderung ist. Ich irre, oderdie Würmer sind nicht nur eine Ursache, sondern auch wohleine Folge der fallenden Sucht, in welcher mit der gewöhn-lichen Freßbegierde die Schwäche der natürlichen VerrichtungenStoffs genug zu ihrer Beherbergung gibt. Der Zorn ist ofteine Ursache der fallenden Sucht, die Neigung zum Zorne istaber auch mehrcntheilö ihre Wirkung. Ein übertriebener Bey-schlaf ist eine Ursache der fallenden Sucht, aber die übertriebeneNeigung zum Beyschlaf ist auch fast immer ihre Wirkung.Der weiße Fluß ist eine Ursache der Mutterbeschwerden, er istaber auch sehr oft ihre Wirkung. Nagende Verdrießlichkei-ten, Sorgen, Beängstigungen und alle heimlichen Qualen sindoft die Ursachen der Hypochondrie und der Mutterkrankheft,