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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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296
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sie sind aber auch fast immer die Wirkungen von beyden. Tau-sendmal ist eine gegebene Veränderung in dem Körper die Ursacheeiner gegebenen Veränderung in der Seele, aber eben dieseVeränderung in der Seele ist oft die Ursache der nämlichenVeränderung in dem Körper.

Man wird durch diesen Wechsel von Wirkungen und Ur-sachen so leicht nicht betrogen, weil dasjenige allemal Wirkungist, was in Ansehung der Zeit auf wohl erkannte, zureichendeund unwidersprechliche Ursachen folgt. Ich habe eine fallendeSucht gesehen, die auS dem langen Schreck einer barbarischenKlosterauferziehung entstanden, durch Trinken, Unzucht undSelbstbefleckung unterhalten, verschiedene Jahre gedauert hatte,als sich zum erstenmal bey dem Kranken Spulwürmer, nach-gehends platte Würmer, und Maden äußerten. Diese Wür-mer erschienen also, nachdem die fallende Sucht aus einer wohlerkannten, zureichenden und unwidersprechlichen Ursache längstentstanden war. Auch in verwickelten Krankheiten erkennen wirdiesen Wechsel von Wirkung und Ursache, vermittelst eben die-ser genauen Beobachtung der Umstände und der Zeit.

Bey allem dem muß man sich sehr hüten die Wirkung nichtfür die Ursache zu nehmen, wo die angeführte Vertauschungnicht Platz hat. Melancholische Personen verfallen insgemeinin diesen Irrthum, indem sie die moralischen Wirkungen ihreskörperlichen Uebels für die Ursachen dieses Uebels halten. Sieglauben mehrentheils, sie seyen wegen diesem oder jenem Ver-druffe, wegen diesem oder jenem Mangel, wegen diesem oderjenem Unglücke melancholisch, und doch sind sie es nur, weilsie krank sind. Sie leiten ihr trauriges angsthaftes Wesen ausmoralischen Ursachen her, da es doch aus physischen Ursachenfließt; sie bilden sich ein, sie haben ihre Freunde, ihre Güter,ihre Ehre verloren, und doch haben sie Freunde, Geld undEhre, sobald die Arzeneyen wirken, und die Winde aus denGedärmen streichen. Die Aerzte halten oft die Ueberbleibseleiner Krankheit für die Ursache der vorhergegangenen Krankheitoder die Zeichen einer vorhandenen Besserung für die Ursacheder Besserung. Degner sagt, eine Wurst habe einem an der