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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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§ Ruhr Sterbenden geholfen, da doch di« starke Lust darnach au-! genscheinlich ein Zeichen der schon vorhandenen bessern Ver-dauung, und nicht die Wurst, eine Ursache derselben gewesen.Eben so verkehrt rühmt man gebeiztes Fleisch und Käse, alsdie Mittel der Errettung in den gefährlichsten Fällen der Ruhr,obschon zuweilen diese Dinge in Absicht auf einige nachentstehendeZufälle der Ruhr als wahre Ursachen der Besserung wirken.^ Boerhave macht die wichtige Bemerkung, es sey ein großerIrrthum, daß man alle Krankheiten der Jungfrauen aus derVerhüllung ihrer Zeiten herleite, die eben darum zurückbleiben,weil eine Krankheit vorhanden ist, und man stürze sie oftdurch diese Verwechslung der Wirkung mit der Ursache in dieSchwindsucht. In Manninghams hysterischem Fieber ist dieVerstopfung der Zeiten oft eine Wirkung, und nicht eine Ur-sache dieses Nervenfiebers.

Aus diesem ganzen unmaßgeblichen Capitel zeigt es sich, daßder Arzt durch das Genie allein die Ursachen der Begebenhei-ten findet; daß der Pöbel ganz unfähig ist, diese Ursachen zubestimmen; daß alles Sehen, alles Erfahren umsonst ist, wennman zum Sehen zu blind, zum Schließen zu dumm, auf dieentscheidendste Weise unwürdig ist, über die Begebenheiten inder Natur ein Urtheil zu sprechen, und daß dem ungeachtetder ganze schnatternde Chor der medicinischen Weiber beyderleyGeschlechts seine ungehirnte Erfahrung den erfahrensten Aerztenins Angesicht speyt.

Viertes Capitel.

Von den entfernte» Ursachen der Krankheiten.

Nachdem ich die Abwege bezeichnet, auf die man bey derErforschung der Ursachen überhaupt verfällt, und den Leitfa-den gezeigt, an welchem der Arzt zu der Kenntniß der Ursa-chen gelangt, so komme ich nun an die nähere Betrachtung derUrsachen der Krankheiten, ihrer Verschiedenheit, und ihresvielfältigen Einflusses aus den Menschen.