2SS
und der Ruhe, in dem Schlafen und Wachen, in dem na-türlichen Abgang des Körpers und seiner Verhaltung, undin den Leidenschaften. Man nennt diese sechs Quellen deräußerlichen Ursachen die sechs natürlichen Dinge, weil sie,ihrer Nothwendigkeit zu der Erhaltung des Körpers ungeach-tet, zum Theil als äußerlich in Absicht auf den Menschen,und verschieden von den inwendigen Ursachen der Krankheitenbetrachtet werden. Besser hat sie Picarne auf den Einflußanderer Körper auf unsere, und den Einfluß des Menschen aufsich selbst eingeschränkt.
Obschon nun die entfernten Ursachen der Krankheiten der-selben eigentliche und wahre Ursachen nicht sind, und mit den-selben nicht müssen verwechselt werden, so verdienen sie dochallerdings die genaueste Untersuchung, weil man hoffen kann,durch dieselben auf die nächsten zu kommen, indem die ent-fernten Ursachen zusammen die nächste ausmachen. Man kommtnatürlicher Weise viel leichter vermittelst der Kenntniß derTheile auf das Ganze, als mit Vermeidung dieser Theile.
Bey der Betrachtung der entfernten Ursachen der Krank-heiten hat man vorerst auf dasjenige zu sehen, was jede ansich selbst auf den Menschen vermag, und nachher, was siein ihrer Verbindung vermögen. Eine Ursache wirkt bald in dieandere, bald wirkt eine einzige Ursache in die Krankheit, baldwirken sie alle gerade in dieselbe, bald fließt eine sehr verwickelteWirkung aus einer einfachen Ursache. Die Erforschung derentfernten Ursachen und ihrer Wirkungen ist schwerer, als siebey dem ersten Anblicke scheint. Sie fordert einen philosophi-schen Geist, wenn man nicht von einem Irrthum in den andernstolpern, und nicht über diese alltäglich vorkommenden Dingereden will, wie der Praktiker mit seinen Frauen.
Ich mache bey den äußerlichen Ursachen den Anfang.Diese liegen beynahe in allem, was uns umgibt, und bestim-men gleichsam unser Wesen. Gesundheit und Krankheit fließenaus den gleichen Quellen. Auch die kleinste Veränderung indenselben schenkt uns, anstatt Gesundheit und Leben, Krank-heit und Tod ein. Der Kelch der Freuden, wird durch bloßenMißbrauch ein Kelch der Leiden.