Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
Seite
313
JPEG-Download
 

danke, den Scheuchzer gehabt, daß die größere Schwere derLuft die Ursache von dem Heimwehe der Schweizer sey. Ichwerde von dem Heimwehe in dem Capitel von den Leidenschaf-ten reden. Herr Scheuchzer ist von andern zur Genüge wi-derlegt.

Die Luft ist leicht, wenn man auf hohen Bergen eine ge-ringere Luftsäule auf sich hat, oder wenn man auch auf derEbene in einer Luft lebt, die von Dünsten voll ist. Man istnicht einstimmig, auf welche Art die leichte Luft auf hohen Ber-gen wirke. Die Alten glaubten schon, der Athem werde aufhohen Bergen schwer, und man findet bey den Griechen, daßdiejenigen, welche den Berg Olympus besteigen wollten, Schwäm-me mit Essig und Wasser angefüllt vor den Mund und die Nasehielten, weil die Luft dieses Berges ihnen den Athem zu zie-hen nicht hinreichte. In den neuern Jetten wurde eben diesesvon dem Pic von Teneriffe, von vielen andern Gebirgen, undsogar in der Geschichte der Parifischen Akademie der Wissen-schaften von dem Pinchincha gesagt. Man wollte auch auf vie-len andern hohen Gebirgen kleine Fieber, Ohnmachten, aller-hand Blutflüsse und Blutspeyen bemerkt haben. Die HerrenBouguer und de la Condamine gestehen indeß, daß der Athemauch auf dem Gipfel des Pichincha frey bleibe, und sie habenja sechs Wochen auf demselben zugebracht. Auch andere Natur-forscher erfuhren, daß man in der leichtesten Luft ohne Müheathmet, und zwar auf dem Pic von Teneviffe, auf dem Cau-kasus, auf dem Canigou, auf dem Aetna, auf dem Gothard,auf der Furka und auf dem Joch. Arbuthnot hielt nur denplötzlichen Uebergang in eine so leichte Luft für beschwerlich;hingegen glaubte er, man lerne sie durch die Gewohnheit ver-tragen. Herr von Halter erklärt die Uebel, welche andere aufhohen Gebirgen erlitten, aus den Beschwerden der Reise,weil der ruhige Wanderer davon frey bleibt, so wie auch die,welche sich der Pferde bedienen ; eine Erscheinung, deren Ursacheer aus der reinern und ihrer Schnellkraft durchaus mächtigenLuft herholt. Obschon nun die leichte Luft der höchsten Gebirgegesunden Menschen zum Athemholen zureichend ist, so wird sie