Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
Seite
331
JPEG-Download
 

331

Egypten leidet von dieser Gattung Dünsten noch am mei-sten. Groß-Cairo hat eine unglaubliche Menge Einwohner,die größtentheils sehr unreinlich leben. Die Straßen dieserStadt sind eng, sie liegt in einer sündigten Ebene, an demFuße eines Berges, der die Winde abhält, und die Hitze fürdie Einwohner erstickend macht. Mitten durch Caico geht eingroßer Kanal, den der überlaufende Nilstrom mit seinen Ge-wässern fülle, und der mit der Abnahme dieses Stroms allmäh-lich wieder trocken wird. In diesen Kanal werfen die Ein-wohner allen möglichen Unrath und sogar Todtenkörper, sodaß der daher rührende Schlamm durch seinen Gestank unerträg-lich wird. Darum entsteht in Cairo so oft die Pest, die nichtaufhört, bis der von neuem ausgetretene Nilstrom diesen Un-rath wegspühlt, und die dannzumal wehenden kühlern Windedie Lnft erfrischen. Man muß sich nicht wundern, daß Cairoein wahrer Pflanzort der Pest ist.

Die angeführten Wirkungen stehender Wasser sind unwi-dersprechlich, wenn man zudem die Mittel betrachtet, durchdie man diese Wirkungen hebt. EmpedocleS, ein Lehrjüngerdes Pythagvras, besreyte die Salentiner von den giftigen Aus-dünstungen ihrer Moräste durch zwey nahegelegene Flüsse, dieer in dieselbe leiten ließ, und wodurch die Moräste gereinigt,die Luft gebessert, und die daher entstandenen Krankheiten ver-wehrt worden. In dem alten Rom wurden durch die präch-tigsten Wasserleitungen die Uebel gehoben, unter welchen dieseStadt seitdem ihr sonst so schönes Ansehen verloren. Die Ortevon Rom, wo man Seeschlachten vorgestellt, hatten unterirdischeKanäle, durch welche man nach Vollendung dieser Spieledengleichen Abend das Wasser ableiten, und schon den folgendenLag auf dem trocknen Boden Jagden anstellen konnte. Manglaubt, MarcuS Curtius habe auf seine Unkosten einen Grabenausfüllen lassen, der durch seine Ausdünstung der Gesundheit derrömischen Bürger nachtheilig gewesen, und daher sey die be-kannte Fabel entstanden. Der besonders bey dein Pabst Cle-mens dem Eilften in großen Gnaden gestandene Leibarzt, Jo-hannes Maria Laneisi, hat sich durch die Hemmung dieser