Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
Seite
373
JPEG-Download
 

in einem Winkel gestanden, er habe weder Brod noch Wassergenossen, sich niemals niedergelassen, und niemals ein Wortgesprochen. Tausenderley Wunderdinge, Erscheinungen undGesichter, die ich in dem neunten Capitel dieses Luches be-rühren werde, erkläre ich aus dem Hunger dieser heiligen Va-ter, aus ihrer gänzlichen Enthaltung von dem Schlafe, aus derHitze dieser Weltgegeuden und aus den natürlichen Wirkungender Einsamkeit.

Die ungeschickte Mischung der Speisen ist bey unserer heu-tigen ungeschickten und unnatürlichen Lebensordnung der Ge-sundheit sehr nachtheilig. Alles was die Natur gesondert hat,wird durch unsere Köche vereinigt; daher erschlaffen unsere fe-sten Theile auf eine fast unwiederbringliche Weise, und die Säfetgerathen in eine Verderbniß, die vielleicht eben so zusammen-gesetzt ist, als unsere Gerichte. Die vielen Abweichungen derKrankheiten von ihrem ursprünglichen Laufe, welche man beson-vers bey vornehmen Kranken bemerkt, fliesten hauptsächlich ausdieser Quelle. Man sieht alle Tage, daß bey den Mächtigenund Reichen das Wohlleben die Mutter des Mißvergnügens,des Ekels, der Langenweile, der Unverdaulichkeit, der Ge-brechen und der Laster ist. Vielleicht wird man auch einst inEuropa, um die Pracht eines Festins zu loben, wie bey den Maka-beren, die Personen zählen, die davon gestorben sind.

Unter allen Gattungen von Höflichkeit ist mir keine so un-begreiflich , als die einzige,. die man in großen Städten kennenwill. Man führt den Magen seiner Freunde in Versuchung,um sie zu beehren. Man raubt ihnen durch das wunderbarsteGemische von widersprechenden Speisen alle Munterkeit des Lei-bes und des Geistes. Man tödet durch folternde Gastmahleihre Gesundheit und ihren Witz, damit man sagen könne: Wirhaben ihnen Höflichkeit cnviesen.