Z89
Verfasser des Buches Tchang Seng, oder von der Kunst eingesundes und langes Leben zu erlangen, sagte unter der Regierungdes Kaisers Cang Hi, ich gestehe aufrichtig, daß mir der Theenicht angenehm ist, und daß sich mein Magen empört, wennich Thee zu trinken gezwungen bin; vielleicht ist die in meinerJugend sehr schwächlich gewesene Leibesbeschaffenheit die Ursachedieser Antipathie. Hieraus fließt meines Erachtens, daß einigeEuropäische Aerzte eben nicht nöthig gehabt hätten, ein Sy-stem aufzurichten, um aus demselben zu erklären, warum derThee den Asiatischen Völkern so nützlich, und uns so schäd-lich sey.
Aber man hat auch Wunder von den guten Wirkungen desThee in Europa erzählt. Ich höre immer eben diese Wundervon den Personen anpreisen, die unter meinen Augen unwi-dersprechlich davon leiden; denn eine Sacke, die zur Gewohn-heit oder gar zur Leidenschaft geworden ist , heilt bekanntlich vieleUebel, auch die, welche man nicht hat. Zwey Holländische Aerzte,Craanen und Dontekoe haben in dem vorigen Jahrhundert,vermuthlich der Holländisch - Ostindianischen Compagnie zumDienste, geschrieben: das Blut sey dennzumal in dem Standeseiner Vollkommenheit, und von aller Verderbniß, von allemHange zu Krankheiten frey, wenn es am flüssigsten sey. Bon-tekoe wollte, daß man des Tags hundert bis zweyhundertSchaalen Thee trinke, wenn man sich vor allen möglichenKrankheiten zu verwahren wünsche; er läugnete gänzlich, daßder Thee den Magen schwäche, weil er unstreitig selbst einenMagen hatte wie ein Pferd. Diese Meinung ward allgemein;man trank übermäßig Thee, damit das Blut auch recht erdün-nert werde, oder vielmehr, damit die Actien der OstindischenCompagnie stiegen. Endlich kam Boerhave, einer der größtenGenie und der redlichsten Menschen, die jemals die Welt ge-ziert haben. Dieser Ueberwinder des Irrthums und der See-len zeigte mit zwingender Stärke, daß in der Flüssigkeit des Blutsdas wahre und eigentliche Wesen der Auszehrung liege; daßzwar diese Leute mehr Beweglichkeit in dem Körper, und mehrFertigkeit in dem Verstand haben, aber daß sie auch ganz ei-