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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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405
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-Wä

Herrn von Haller lese, seine Nothwendigkeit so unübcrsteiglich,daß dieser eine der vornehmsten Ursachen geworden, warum dietapfere, aber alles Schlafes beraubte Englische Garnison vonSanct Philipp, diese Festung dem Herzoge von Richelieu über-geben mußte, weil sie ihre Waffen nicht mehr zu tragen ver-mochte , und weil auch der KriegSmann selbst unter dem Don-ner der Kanonen einschläft.

Allzu vieles Wachen setzt die Nerven und das Blut in eineheftige Bewegung. Es reibt die Kräfte von jenen auf, machtdie flüssigen Theile scharf, verzehrt das Fett, neigt den Men-schen zum Schwindel, zu heftigen Kopfschmerzen, zum Gold-adcrflusse, zu Fiebern, zu einer quälenden Unruhe, zu einerbeißenden Hässigkeit, zu Handlungen ohne Zusammenhang, ohneAbsicht und voll Widerspruchs. Man weiß, daß Leute, welcheviel schlafen, sehr selten heftiger Leidenschaften fähig sind, weilselbst der Schlaf bey ihnen eine so bezaubernde Leidenschaft ist,daß sie alle andern verschlingt. Hingegen werden sehr oft Leute,die wenig schlafen, ungemein heftig und böse. Ich habe eineMenge Personen beyderley Geschlechts, und zuweilen von demliebeuSwürdigsten Charakter gesehen, durch den bloßen Mangell des Schlafs sich verändern, und ganz unkennbar werden,l Endlich führt das allzu viele Wachen den Menschen zu den gro-teskesteu Grillen und außerordentlichsten Gespenster» der Einbil»dungskraft, und endlich in einen völligen Wahnwitz, daher manauch das Hirn solcher Leute ordentlich verwelkt und zum Theil! ausgezehrt fand. Hier öffnet sich nochmals eine Aussicht zu

^ der philosophischen Kenntniß der Geschichte der meisten hei-

ligen Väter in der Wüste. Alle glaubten, nach dem Zeugnissedes Ruffinus, das viele Wachen purgire und erleuchte den Geist,darum waren sie vorzüglich auf diese Diät der Seele bedacht,und erleuchteten auch ihren Geist durch diese Diät so sehr, alser eS bey einem Fakir von Hindostan ist, wenn er mit demKopfe zwischen den Deinen das himmlische Licht steht. Hera-klides erzählt in seinem Paradiese von Dorothäus, einem The-^ baischen Mönche, er habe den ganzen Tag in seiner Einsamkeit

j an dem User des Meeres, bey der entsetzlichsten Hitze, Steine zu