ich in der Schweiz einen Geistlichen gekannt, der die Gipfel unse-rer höchsten und über eine unermeßliche Weite emporragendenAlpen nur darum alle Sommer ein paarmal bestieg, damit erdaselbst schlafen könne,— so ist doch der Schlaf kein Gut, wennman ihn zu sehr mißbraucht.
Man weiß, daß in dem Schlafe bey den Thieren das Blutseine Bewegung und Wärme nach und nach verliert, und daßauch bey dem Menschen die Empfindung der Kalte unvermeidlichwird, wenn seine Bedeckung nicht dicker als seine gewöhnlicheKleidung ist. Alle Theile des Leibes verfallen durch einen lan-gen Schlaf in eine gänzliche Unwirksamkeit, die festen werdengeschwächt, das Blut läuft langsamer, und verweilet besondersin dem Kopfe; die Ausdünstung wird geheinmt, der Leib er-kaltet, die Säfte werden zäh, der Mensch dick und fett, zuallen feinern Uebungen des Geistes unfähig, und ganz vergeß-lich, weil sich in die Hirnhöhle eine wäfferichte Feuchtigkeit aus-gießt, die das Hirn drückt, erweicht, und die nöthige Span-nung hemmt. Zur Hypochondrie und Mutterkrankheit geneigteLeute schaden sich ungemein durch einen allzu langen Schlaf,und besonders des Morgens. Das Schlafen gleich nach demNachtessen macht denselben fürchterliche Träume, die allemaletwas Fehlerhaftes in dem Körper anzeigen, wenn sie von denVerrichtungen des Tages zu sehr abgehen, und den Alp, wennihre Verdauung sehr schlecht ist. Doch hat mir ein großer Hy-pochondrist erzählt, er fühle sogar wachend im Bette diesedrückende Beschwerde; sein ganzer Leib sey dabey ermattet undunbeweglich, und zugleich sehe er eine große Menge kleiner Männ-chen auf seinem Bette spatzieren. Ein übermäßiger Schlaf führtzu der Starrsucht und zu einem ganz gedankenlosen Zustande,der fast alle Sinnlichkeit zerstört. Leuten, deren zeitliches Glückerfordert dumm zu seyn, gebe ich darum den Rath, bis anden Mittag zu schlafen.
Die Nothwendigkeit des Schlafes verhält sich fast wie un-sere Arbeit durch den Tag. Daher flieht der Schlaf die Pal-laste der Großen; daher wohnet er mit seinen sanften Erqui-ckungcn in der Hütte deö LandmannS; daher ist, wie ich bey