Buch 
Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
Seite
428
JPEG-Download
 

428

und bald nur alle sechs Wochen äußert. Bey einer wollüstigenLebensart ist die Reinigung häufig, die Damen in Paris ver-spüren sie mehrentheils zweymal des Monats. Geile Jungfernhaben ihre Reinigung olme Krankheit zuweilen außer der Zeit,weil ein größerer Trieb des Blutes zu den Geburtstheilen auchallemal ein größerer Trieb desselben zu der Mutter ist, undweil Adam Brendel ja sogar von geilen Weibspersonen wahremenschliche Eyer abgehen gesehen. Die Liebe treibt daS Blut,sagt Herr von Hallec, sie vermehrt die Zahl der Pulse, undgiebt ihnen eine Ungleichheit, die man der Furcht zuschreibenkann, mit der die Liebe begleitet ist; eine heftige und dem Ge-nusse nähere Liebe erweckt die äußerste Hitze, Herzklopfen, Nöthe,Stärke, Zittern, und eine Empfindung, als wenn Feuer durchdie Adern flöße. Es ist darum nicht ungewöhnlich , bey geilenWeibspersonen, nahe vor der Hochzeit, oder auch in derHochzeitnacht selbst heftige Blutflüsse zu sehen, wobey der be-stürzte, und der wahren Ursache unkundige Bräutigam ins-gemein sehr schuakisch den Kopf hängt.

Der Ueberfluß des Blutes erweckt auch in Gesunden verschie-den Zufälle, wenn die Reinigung vorhanden ist. Die meistenhaben ein Spannen im Kreuz, oder Kopfschmerzen, oder Schmer-zen in den Brüsten, viele eine heftige Colik, und zuweilen einAuflaufen des Bauches; andere Ekel, und so fort. Ueberhauptsoll die Reinigung fünf bis sechs Tage währen, und bis aufdie Hälfte dieser Zeit immer steigen; man sieht aber eine MengeWeibspersonen, bey welchen sie nur einen, zwey oder drey Tageund auch acht Tage anhält; aber hierin liegt schon etwas Feh-lerhaftes. Bey jungen Mädchen bleibt sie nach der ersten Er-scheinung bisweilen fast ein ganzes Jahr aus, besonders, wennsie sehr viel laufen. Ueberhaupt soll sie nach dreyßig, oder einund dreyßig Tagen wieder kommen, und in der Schwangerschaftausbleiben, welches aber auch nicht immer geschieht.

Nach dieser kleinen Erinnerung von dem, was mit der Rei-nigung in dem gesunden Zustande vorgeht, komme ich nunmehrauf ihre Mangel, und den Einfluß derselben auf die Gesund-heit. Der allzu starke Abgang der monatlichen Reinigung ist