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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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464
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zarte Schweizer ward nachher von seinem Vater auf die Uni-versität in Basel, und endlich in das schönste Land von Eu-ropa, dem längs dem Genfersee gelegenen, französischen Theildes Cantons Bern geschickt; auch da überfiel ihn seine leidigeMuttersucht. Nun ist dieser Mann, der in Göttingen seineAorta zusammenklomm, zu Hause munter und gesund.

Das von Ritter Richard Mauningham beschriebene, undnoch wenig, zumal außerhalb England, verstandene hysterischeoder Nervenfieber zeigt sich hauptsächlich bey dem zärtlichenFrauenzimmer, auch bey scharfsinnigen und gefühlvollen Ge-lehrten , nach traurigen Affekten, nnd andern Erschöpfungender Kräfte. Man unterschied dieses anhaltende Fieber vor die-sem englischen Arzte diesseits der See von dem gewöhnlichenhysterischen Uebel nicht, und war von dem schlimmen AuSgangnoch nicht belehrt. Es wandelt den Kranken sehr unordent-lich an, äußert sich durch ein kränklichtes Wesen, eine Trocken-heit der Zunge ohne Durst, eine Aengstlichkeit ohne Ursache,Mangel an Eßlust, einen niedrigen, geschwinden und ung'eichenPuls, einen blassen, und zu Zeiten häufig auf einmal abge-henden Harn, unterlaufende Fröste und Schauer, zuweilenzähe, kalte Schweiße, zuweilen Colik, Schlaflosigkeit und Ver-wirrung. Dieses Fieber endigt sich, nach Manninghams Er-fahrung, nach dreyßig oder vierzig Tage», in Ermanglung zei-tiger und stärkender Hülfsmittel, in Ohnmachten, in einStaunen, und selbst in den Tod.

Unter die traurigen Leidenschaften gehört auch vorzüglicheine unglückliche Liebe. Sie wirkt geschwind und heftig, weilsie von allen nagenden Leidenschaften die ungeduldigste und hef-tigste ist. Ein Pariser-Arzt hat zwar gesagt, die Liebe, manmöge ihr noch so schöne Namen geben, sey so wenig eine Lei-denschaft, als der Hunger, der Durst und alle andern demKörper zu unserm Wohlseyn und zu unserer Erhaltung einge-pflanzten Triebe. Dieser von Platonischen Begriffen ungeblen-dete Arzt hat recht, daß er die Liebe für einen körperlichenAppetit hält, weil sie freylich im Grunde mehrentheils aufnichts anders hinausläuft, und weil allerdings das Frauen-