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man beschreibt, oder Werke zu schreiben, die man liest. Fä-hig dieser Wollust, schränkt man seinen Geist nicht mehr aufdie Leute, die bey unserm Fenster vorübergehen, auf den Ortseines Aufenthalts, auf sein eigenes Leben ein. Man breitetihn auf den Aufenthalt und das Leben des ganzen vor denAugen der Beobachter aller Jahrhunderte vorübergegangenenmenschlichen Geschlechtes aus, und bestrebt sich, auch demschnellen Augenblicke seines Lebens in den Geschicktbüchern desmenschlichen Geistes eine Stelle zu erwerben. Wer die Fähig-keit, das Gute zu thun, und die Wahrheit zu sagen oder zuschreiben, hat, und nicht thätig macht, gleicht dem Narr,der seinen Harn zurückhielt, damit er die Welt nicht über-schwemme.
Aber dieser Trieb nach Erkenntniß und thätiger Wissen-schaft , dieses anhaltende und unausgesetzte Bestreben nach neuenIdeen, wird auch eine Quelle vieler Uebel. Menschen, diemit den Händen immer arbeiten, und niemals mit dem Kopfe,scheint zwar ganz unbegreiflich, daß ein Gelehrter, der denganzen Tag sitzt, liest, denkt und schreibt, seinen Körper un-endlich mehr entkräftet, als ein Bauer, der den ganzen Tagpflüget; aber es ist darum nicht weniger wahr, obschon eskurzsichtige Köpfe nicht begreifen. Der Leib wird durch dieallzustarken Arbeiten des Geistes ermattet; der Geist durch dieallzustarken Arbeiten des Leibes. Die immerwährende Wirk-samkeit des Geistes, und die damit verbundene Ruhe des Kör-pers, macht den Körper unendlich schwach; die immerwährendeWirksamkeit des Leibes, und der damit verbundene Stillstanddes Geistes macht den Geist unendlich schwach. Darum er-müdet die geringste Meditation den Pöbel, darum ermüdet diegeringste Uebertreibung seiner Leibeskräfte den Gelehrten.
Der Pöbel sieht nur, was in die Augen fällt. Alle ab-strakten Kenntnisse, und folglich alles, was man durch denVerstand sehen muß, ist für ihn verloren. Den ganzen Tagschmieden und feilen scheint ihm Arbeit, den ganzen Tag lesenund denken scheint ihm Müßiggang. Man sieht die Verände-rungen nicht, welche durch die allzustarke Anstrengung deS