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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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471
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Geistes in dem Hirnmark, und daher in dem ganzen Körperentstehen, aber man fühlt sie. Der Kranke beklagt sich überdieses Gefühl; der Arzt vergleicht die Wirkung mit der ent-fernten Ursache, und sieht durch seinen Verstand die nächste.DaS Hirn ist bekanntlich der Werkzeug, durch den die Seeledenken muß, und eS ist zugleich unendlich zart. Man darfalso nicht fragen, ob die zarten Fasern deö Hirns von einerallzustarken Anstrengung nicht so sehr ermatten sollen, als diegroben Muskeln des Bürgers oder Bauers durch die Arbeitbeym Ambos oder auf dem Felde. Jeder Theil deS menschli-chen Körpers wird bekanntlich auf einmal matt, sobald er,ohne eine abwechselnde Ruhe, immer wirkt; dieses ist von jedereinzelnen Muskel und von jedem einzelnen Gliede wahr, dessenallein man sich zu lange bedient hat. Man schloß hieraus,eben das müsse in der Werkstatt der Seele widerfahren, wennman sich eines besondern Theils derselben, vor andern, ohneNachlassen bedient.

Es läßt sich doch einige Bewegung in einem Theile ver-muthen, durch welchen die Seele empfinden muß, und der hin-wieder alle ihre Befehle ausführt. Man kann freylich nichtsagen, von was für einer Art diese Bewegung ist; aber manweiß doch nach dem höchsten Grade der Wahrscheinlichkeit, daßsich etwas in dem Hirn bewegen muß, wenn man denkt. DieBeobachtung eines scharfsinnigen und eines stupiden Kopfesleihet uns einige Gründe zu dieser Wahrscheinlichkeit. In ei-nem scharfsinnigen Kopfe ist alles augenscheinlich in Bewegung;wie viele einzelne Begriffe übersieht er nicht mit der äußerstenGeschwindigkeit; wie leicht kehrt er nicht von einem Gegen-stände zu dem andern; wie geschwind hat er nicht in den ent-ferntesten Dingen Aehnlichkeiten bemerkt; wie fein und wienatürlich bringt er sie nicht zusammen; wie fertig ist er nichtdurchaus im Sehen und im Vergleichen; die Beweglichkeit istin einem scharfsinnigen Kopfe so groß, als die Empfindlichkeit.Aber wie unzerstörbar hängen hingegen die wenigen Ideen stu-pider Köpfe zusammen; wie hartnäckig steckt nicht jeder einmalgefaßte, und mehrentheils aus der Schule wohlhergebrachte,