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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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und mit ihnen aufgewachsene Gedanke in den Grundfesten ihresHirns; wie traurig glitscht nicht jeder gute Einfall eines An-dern von diesen Marmorwänden ab; wie elend, wie gebrechlich,wie lahm hinkt nicht ihr Gemüth einher; wie wollüstigstolzwölbet sich nicht ihre Brust, wenn sie ihr vermeintes Lob schme-cken , indem man doch nicht über ihren Witz, sondern über ihreDummheit lacht!?

Mich dünkt, diese Erscheinungen geben den Begriff einermehrern und mindern Beweglichkeit in dem Hirn. Diese Be-weglichkeit ließ Pythagoras des Morgens frühe bey seinenSchülern durch die Musik erregen, und sie scheint allerdingsauf der größern Empfindlichkeit des Hirnmarks zu ruhen, weilsie bey einem Dummkopf, seine kleine, nur für das Interesseseines Horizontes gefühlreiche Seite ausgenommen, sehr geringist, und in einem völlig gedankenlosen Zustande erlöscht. Auchsagte Boerhave, die äußerste Beweglichkeit des Hirns und derNerven werde zu dem Genie erfordert; aber diese Beweglich-keit bestehe nicht ohne die Schwachheit, da hingegen die Fe-stigkeit, welche die Stärke ausmache, Nerven fordere, die zumDenken allzusteif seyen.

Vermittelst dieser Beweglichkeit des Hirns, wird nun dieallzustrenge Uebung des Geistes eine entfernte Ursache vonKrankheiten. Das höchste Gut auf dieser Erde ist ein gesun-der Geist in einem gesunden Leibe; aber in der Besorgung vonbeyden kann man zu weit gehen, weil die übertriebene Pfleglingdes Leibes den Geist stumpf macht, und die übertriebene Pfle-gling des Geistes den Leib schwächt. Man sieht eine ganzeReihe von Uebeln aus dieser übertriebenen Pflegling des Gei-stes entstehen. Zuerst leiden der Magen und die Verdauungs-kräfte; der Schleim und die Winde nehmen hier und in denGedärmen überhand; die Absonderung der Säfte wird zerstört,und die Nahrung gehemmt. Glücklich ist der Arzt, sagt Ba-glivi, der dieses einsieht, weil er die wahre Wurzel der Hy-pochondrie, der Krankheiten des Gekröses, des Übeln Geruchsaus dem Munde und der verschiedenen Gattungen eines unan-genehmen Geschmacks auf der Zunge einsehen wird.