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Gedächtniß der Kinder will man mit Wörtern und Begriffenfüllen, die sie nicht verstehen; der Kopf wird ihnen schwer,matt, schwindlicht und vergeßlich; anstatt den Verstand derKinder zu üben, wird nichts als ihr Gedächtniß geübt. Wirlassen sie zehn und zwanzigmal die gleiche Sache nicht überle-gen, sondern laut daher schreyen, damit sie desto kräftiger indaS Hirn gedruckt werde. Eine elende Methode, sagt Boerhave;und darum ist sie elend, setzt Herr von Haller hinzu, weilman den Knaben einen zusammengesetzten Begriff nicht in seineeinfachen Begriffe auflöst, sondern ihnen nur bloß Buchstabenund Töne beybringt, deren seichte Eindrücke ein neuer Stromvon Ideen sofort auslöscht. Nach dieser vergötterten und ver-nunftlosen Methode liegt alle Wissenschaft der Kinder in demGedächtnisse, da sie hingegen von den verachteten Räthen deSWeltweiten, des wahren Bürgers, des patriotischen Helden,deS für alle Nationen von Europa Verehrungswerthen LudwigRene de la Chalotais, in dem Verstände läge; aber zum Un-glück lassen sich die Schätze des Gedächtnisses bey allen Men-schen auskramen, die Schätze des Verstandes nur bey den we-nigsten. So viele Männer, die man in ihrer Kindheit fürWunderwerke hielt, machen eine so sehr schlechte Figur in derWelt, weil sie, nach der beliebten Schulmethode das Gedächt-niß allein zu pflegen, zum Beobachten, zum Urtheilen, zumErfinden und überall zum Denken ganz unfähig sind. Derin unsern Tagen der Arzeneykunst in dem weiten Reiche seinergroßen Kaiserin den alten Adel und ein neues Leben wiederge-bende Freyherr van Swieten sah oft, und bedauerte oft, daßKnaben von der besten Hoffnung, nicht nur für ihr ganzesLeben albern und tölpisch, sondern mit einer unheilbaren fallen-den Sucht behaftet wurden, weil ihre mürrischen und vernunft-losen Lehrmeister sie ohne Aufhören zum Lernen anstrengten,indeß sie die Gemüther der Eltern mit der citeln Hoffnungnährten, sie machen Wunderwerke von Gelehrsamkeit aus ihrenKindern.
Köpfe, die zum Abstrahiern nicht gestaltet sind, oder ihreabstrahirenden Kräfte mißbrauchen, haben das Schicksal des