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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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479
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Gelehrten, den der Freyherr van Swicten durch eine allzu-starke Anstrengung seines Geistes in einen äußerst beschwerli-chen Schwindel verfallen gesehen, wenn er mit einiger Auf-merksamkeit auch nur ein kurzes Histörchen anhören wollte, derin eine Ohnmacht mit der Empfindung einer außerordentlichenMattigkeit versank, wenn er sich nur an etwas erinnern wollte,indem er, alles Widerstandes ungeachtet, dieser Sache nach-denken mußte, bis er hinfiel. Ich befand mich bis in meinachtzehntes Jahr auf einer Akademie, wo man die Weltweis-heit nach der trockensten und langweiligsten Methode trieb;einige der fleißigsten und gepriesensten Schüler wurden ganzstupid; einige Narren; einige buckelig; ich lernte, Gott seyDank! gar nichts. Unser Professor selbst war ein frommer,gelehrter und redlicher Mann; aber Wolsens lateinische Schrif-ten fand er zu kurz, zu laconisch; er verwandte daher seine meisteZeit auf ihre Erweiterung, und brauchte den Umfang der Me-taphysik zu lehren, weniger nicht als acht Jahre. Bey dieserschweren Arbeit sank dieser sonst gesunde, blühende, muntere,äußerst keusche und baumstarke Metaphysik« in die tiefste Hy-pochondrie; er verlor seine Kräfte, ward mager und gelb,brauchte einen unermeßlichen Quark von Arzeneyen, wardimmer schwächer, und ganz schlaflos. Endlich las er alles,was man Trauriges von der Hypochondrie geschrieben hat,verfiel in eine Verrückung von etlichen Tagen, und starb.

Keine Arbeit des Geistes ist so ermattend wie diejenige,der man sich mit Mißvergnügen unterzieht. Man hat mich zuRechtshändeln gebrauchen wollen; kalt, wie in der Todesstunde,floß mir der Schweiß aus allen Gliedern hervor, sobald ichvon Rechtshändeln sprechen hörte. Ein Mensch, der mit demGefühl von langer Weile etwas liest; ein Schriftsteller, derdieses oder jenes Stück seines Werkes mit Mißvergnügenschreibt, kommt im Anfang noch so ziemlich fort, aber baldwerden das Hirn und die Nerven geschwächt; man gähnt, manschnupft, reibt die Stirne, beißt in die Nägel, kratzt, undbringt nichts als plattes Zeug heraus. Darum vergessen wirso viel. von dem , was wir lesen; darum sind wir oft so gedan-