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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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503
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Freud« geneigt. Am liebsten kommt in diesem Alter die Hy-pochondrie mit ihren Schrecknissen heran. Jetzt wird der schwer-mi'ithige und grübelnde Theil der Seele in uns mächtig; jetztruft man aus: der Tag des Todes ist besser als der Tag derGeburt; jetzt lobt man die Thracier, daß sie weinten, wennein Kind geboren ward, daß sie Festine und Lustbarkeiten an-stellten, wenn jemand starb; wir sind am meisten niederge-schlagen , wenn wir am meisten denken. Die Verminderungder Freude ist eine physische Folge der vermehrten Zahl derJahre, und eine moralische Folge der vermehrten Vernunft.

In dem hohen Alter werden die festen Theile steif. Daherermattet ihre Triebkraft; daher verliert sich ihre Wirksamkeitauf die flüssigen, daher stocken diese. Alle hitzigen Krankhei-ten sind darum in diesem Alter sehr gefährlich, weil die Naturzu einem glücklichen Abfall nicht mehr hilft, und darum istihre Heilung dennzumal mehr ein Meisterstück des Arztes, als derNatur. Die langsamen Krankheiten sind aus eben dieser Ur-sache weit hartnäckiger, und die Hoffnungen des Arztes fürdieses Alter hauptsächlich gering, in welchem durch Sorgengerunzelt, und durch Seufzer entathmet der Mensch die trägeLast des Körpers unwillig nachschleppt, indeß seiner Seelemehrentheils nichts übrig bleibt, als die filzige Neigung fürGeld, die eitle Klage über die Unwiederbringlichkeit der Jugend,und der Schauer vor der nahen Gruft.

Die Geschlechter sind ebenfalls ihren besondern Krankheitenausgesetzt, aber die Weiber unendlich mehr als die Männer.Außer den eignen Krankheiten der Aeugungstheile, haben dieMänner doch sehr wenige Krankheiten, welche die Weiber ha-ben. Hingegen sind die Weiber sowohl wegen der Theile, dieden Unterschied ihres Geschlechts ausmachen, als überhauptwegen ihrer Bestimmung und ihrem viel zärtern Baue, einerMenge wichtiger Krankheiten ausgesetzt. Ihr Schicksal istunstreitig weit trauriger, als daS Schicksal der Männer, unddarum sollen auch die Aerzte sich vorzüglich befleißen, die Krank-heiten der Weiber zu siudiren.

Unter die Krankheiten des weiblichen Geschlechtes zählt