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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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512
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nigin, Anna von Oestreich, konnte in keiner andern, als in derfeinen Leinwand ruhen, die man Battiste nennt, weil ihr auchdie zartesten holländischen Leintücher rauh schienen. HildanuSerzählt das Exempel eines Menschen der das Reden nicht leidenkonnte. Herr von Haller fuhrt eine Frau an, welche die bloßeBetastung eines seidenen Zeuges und sogar des so sanft behaar-ten Pfirsichs unausstehlich war. Ich kenne eine sechszehnjäh-rige ganz gesunde Jungfrau von ungemeinem Verstände, diedas Rauschen des Taffks weder an andern, noch an sich selbstertragen kann , und jedesmal kleine Zuckungen haben soll, wennman in einem tafftenen Kleide ihr nahe kommt. Der jüngereHerr Albinus verfiel durch den sanftesten und keinem andernMenschen fühlbaren Tone in eine unausstehliche Bangigkeit.Unserm berühmten Mathematiker, und sehr tiefsinnigen Meta-physiker, Herrn Lambert, ist der Athem von allen Menschenunerträglich, daher weicht er immer, während dem man mitihmspricht. Ein Mann von vielem Verstände, hat meinem Ver-ehrungswerthen Freunde, dem Doktor Hirzel erzählt, er falle jedes-mal in eine Todesangst, wenn er sich seine Nagel abschneidenlasse. Einige überfällt diese Angst, wenn man ihnen mit ei-nem Schwämme das Angesicht wascht Ich habe einen scharf-sinnigen Freund, dem alle gekochten französischen und spani-schen Weine eine plötzliche unausstehliche Uebelkeit und Neigungzum Brechen verursachen, und der hingegen den Burgunderund Champagnerwein ohne Nachtheil trinkt. Ich kenne einenArzt, der Schnecken mit der größten Leichtigkeit verdaut, unddem der Blumenkohl den Magen fast abdrückt. Es gibt Leute,die das Rindfleisch sehr wohl verdauen, und den zartestenVogel nicht; andere, denen der Caffee ein Brechmittel ist; an-dere, denen Gerüche, die sonst alle Menschen leiden können,unerträglich sind; andere, bey denen gewisse Arzeneymittelihrer Natur ganz zuwider wirken, die das Diascordium pur-girt und die Jalappe verstopft. Boerhave hat Leute gesehen,die von dem Genusse einiger Kirschen oder Johannisbeeren überund über aufschwollen; Herr Gaubius, ein Mann, bey demdas kraftlose Krebsaugenpulver fast nicht geringere Wirkungen