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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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scheu, der immer sitzt, denkt, lieSt und schreibt, wären harteSpeisen freylich sehr schädlich; er befindet sich wohl bey dun-nen oder wenigen Speisen. Hingegen wären einem Menschen,der immer seinen Leib übet, und sehr harte Arbeiten verrich-tet, wenige und dünne Speisen schädlich, er befindet sich wohlbey harten und vielen Speisen. Die Unmäßigkeit im Essenund Trinken dient also einem Handwerker, einem Dauer, einemSoldaten zur Gesundheit; oder vielmehr ist nur der unmäßig,der mehr Speisen und Getränke zu sich nimmt, als er vertra-gen kann. Eine halbe Flasche mit gemeinem Weine machtViele betrunken, aber darum ist der nicht unmäßig, der zweyoder drey trinkt, und nicht betrunken wird. Die Unmäßigkeit imEssen und Trinken hat auch wirklich von Zeit zu Zeit ihrenNutzen, weil der Körper von abwechselnden Wirkungen ver-schiedener Ursache» weniger leidet, als von der anhaltendenWirkung einer Ursache. Immer mäßig seyn ist ungesund, weilman unter der geringsten unausweichlichen Abänderung einerallzu harmonischen Lebensart sofort erliegt. Zuweilen rasen,aber angenehm und mit Vernunft rasen, ist gesund.

Die bloße Abänderung macht die größten Fehler in der Le-bensordnung unschädlich; ich erfahre es immer, und die größ-ten Weltweisen haben diese Lehre gepredigt. Plato rieth die Ge-sundheit vorzüglich dadurch zu unterhalten, daß man die Seele nichtohne den Körper, und den Körper nicht ohne die Seele übe,damit durch die hieraus fließende Uebereinstimmung der Kräftevon beyden, auch beyde gesund bleiben. Daher fand Platosehr dienlich, daß diejenigen, welche sich der Mathematik oderirgend einer andern Wissenschaft ergeben, auch zugleich demKörper alle möglichen Uebungen vergönnen, und hinwieder,daß diejenigen, welche bemüht sind, dem Körper die möglichsteStärke zu geben, auch zugleich die schönen Wissenschaften unddie Weltwcisheit studiren. Boerhave sagt darum seinen Lern-jüngern: euch empfehle ich diesen Rath, ihr erhitzten Liebha-ber der Weisheit, die ihr bestimmt seyd, einst die Gesundheitder Menschen zu regieren. Je heftiger ihr für die AufklärungeuerS Geistes sorgt, desto gewisser werdet ihr euern Körper ver-