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ist, und doch gewöhnt sich der Vernünftige wieder Thor, andie Mode. Man sagt mir, die jungen Französischen Offizierestecken jetzt den Kopf so tief als möglich zwischen die Achseln;wir würden eS vermittelst der Gewohnheit sehr wohl leiden kön-nen, wenn sie einst, wie wahre Brammen, den Kopf zwischendie Beine nähmen.
Es scheint, die Gewohnheit bestimme in Absicht auf denKörper die relative Empfindlichkeit aller Theile. Die Aufer-ziehung der Spartaner beruhte auf diesem Grundsätze; die Grie-chen insgesammt hielten nach demselben die Leibesübungen sehrhoch, und sie wußten selbst die Seelen ihrer Kinder nach glei-chen Regeln zur Tugend zu bilden. Die dummen Lappländersogar scheinen dieses Naturgesetz zu kennen, weil sie von derGeburt an ihre Kinder in kleine Wiegen fest schnüren, unterdas Dach ihres Gezeltes in den Rauch hängen, und vermit-telst zweyer Seile bisweilen hin und her schwingen. Ich kanndurch verschiedene Beyspiele aus der Reihe der entfernten Ursa-chen zeigen, wie durch die Gewohnheit sonst unerträgliche Dingedem Körper erträglich werden.
Durch die Gewohnheit wird die Kälte erträglich. Ich sehein den kältesten Wintern viele von unsern Bauern mit entblöß-ter Brust ohne ihren Nachtheil umhergehen, und, welches nochmehr ist, ihre Kinder laufen zuweilen, wie der heilige Franzvon Assis und die irokesische Heilige, Catharina Tegahkonita, mitnackten Füßen auf dem Eis. Ein würdiger Geistlicher hat mirerzählt, er habe eine Stunde von mir Bauernjnngen, ohne dengeringsten Nachtheil, auf dem Eise mit nackten Füßen schüttengesehn. Addison sagt, die Einwohner von Nova Zembla ge-hen nackend, ohne sich über die Kälte zu beklagen, in welchersie geboren sind. Obschon Boerhave Leute mit HerkulischenKräften des Nachts in dem nassen Grase schlafen, und in eineunheilbare Gliedersucht verfallen gesehen, so haben wir docheine Menge Bauern in der Schweiz, die aus dieser Ursachedurch die bloße Gewohnheit nicht den geringsten Schadenleiden.
Man gewöhnt sich so wohl an allerhand schädliche Speisen,