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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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daß es sich niemals ohne Ausnahme sagen laßt, diese Speiseist ungesund. Einzelne Personen haben, wie ich sehr oft sehe,nicht selten eine einzelne, und ihnen eigene Diät nöthig. DasSchweinefleisch wird in Peru wie zu Batavia für eine gesundeSpeise gehalten; vielleicht macht nicht die eigene Natur derSchweine in diesen Ländern, sondern vielmehr die bloße Ge-wohnheit, daß dieses Fleisch daselbst wider alles Vermuthenunschädlich seyn soll. In Ostindien bedient man sich säst überalldes Teufelsdrecks zur Würzung der Speisen, und niemand klagtüber seine Unannehmlichkeit, denn auch sür mich ist der Genußdes Teufelsdrecks, welchen ich zur Aufheiterung meines Geisteszuweilen kaue, eine wahrer Genuß. Lancisi sagt, die Mexi-kaner speisen nicht nur die Eyer der Insekten, welche Morästebewohnen, und der Fische ohne Nachtheil, sondern selbst denstinkenden Moosschlamm.

Sehr unverdauliche oder häufige, in dem Magen aufgethürmteSpeisen werden zuweilen durch die Gewohnheit erträglich.Man sieht Leute, die mit einem sehr schwachen Magen dasRindfleisch und das schwarze Brod sehr wohl verdauen. Hip-pokrateS hat darum sehr richtig geurtheilt, daß harte, schwereund unverdauliche Speisen, auch schwache Personen, die derengewohnt sind, nicht beschweren. Ich kenne einen Schweizeri-schen Offizier, der in allen Wirthshäusern und Gasthöfen fürzwey bezahlen muß, und doch befindet er sich sehr wohl. SolcheBeyspiele sind in der Schweiz unzählbar. Auch hat der Bi-schof Bürnet unsere Eßbegierbe beschrieben wie sie ist; dennmeine Haare sträuben sich in die Höhe, wenn ich denke, wasviele wohledelgeborne, edelgeborne und geborne, mohlehrwürdige,ehrwürdige und würdige Schweizer nur zum Frühstücke spei-sen. Mylord Baeon sagt, ganz nach meinem Herzen, dieAerzte haben die Mäßigkeit im Essen und Trinken zu sehr ge-lobt, weil auch das zur Gewohnheit gewordene Fasten, unddas zur Gewohnheit gewordene übermäßige Essen die Gesund-heit besser unterhält, als die so sehr gepriesene Mäßigkeit,welche die Natur träge macht, und unfähig den Ueberfluß oderden Mangel, wenn eS nöthig ist, zu vertragen.

IimmcrmannS Erfahrungen. 34