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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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224
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Indeß mußte bald klar werden, daß die Anstalten an dieserStelle für einen Uebergang zu unbedeutend blieben; es waroffenbar, daß der Feind hier nur die Aufmerksamkeit beschäftigenwolle, und daß er seinen wahren llebergang entweder oberhalbNußdorf, oder unterhalb in der Gegend von Ort vorhabe, wo-bei das österreichische Heer in seiner jetzigen Stellung sogleichdie rechte oder linke Flanke preisgeben würde; daher schien esvortheilhafter, bei der Ungewißheit, welchen Punct der Feindwählen werde, die rückwärtige Stellung wieder einzunehmen,aus welcher man frei und leicht nach jeder nöthigen Richtunghervorbrechen könne. Diesem Rathschlusse zufolge, erhielt daSHeer am 3. Juli Mittags Befehl, wieder in seine vorige Stel-lung bei Wagram zurückzukehren. Dieser Vor- und Rückmarschist in dem österreichischen Berichte unerwähnt geblieben, unddoch war die Vorwärtsbewegung nicht gleichgültig; sie legtedem Feinde gleichsam eine Schlacht in ähnlichen Verhältnissenwie die von Aspern auf, während der österreichische Rückmarschihm statt jener Enge die erwünschte Ausdehnung frei gab, inwelcher die Schlacht bei Wagram möglich wurde. Da dieseverloren ging, so konnte man nachher bedauern, zu ihrer Ent-wickelung den Raum gegeben zu haben, den man, wie es schien,gleich AufangS versagen, wenigstens mit Vortheil streitigmachen konnte, wenn man näher an der Donau den Kampfaufnahm.

Der Anschein, als solle das Leben der vorigen Tage,ohne andern Inhalt, als Sonnenbrand und Staubwolken, aufsNeue fortgehen, war wohl da, weil am 1. Juli kein weitererAngriff von Seiten der Franzosen geschehen, dauerte aber diesesMal nicht lange. Von den Absichten der Franzosen hatte mankeine zuverläßige Kenntniß, nur unsichere Vermuthungen, dochdeuteten alle ihre Anstalten auf irgend ein großes Unternehmen.Die Befestigungen der Lobau, die Herstellung und Sicherungder Hauptbrücke über den großen Arm der Donau, die An-legung vieler Verbindungsbrücken zwischen der großen und denkleineren Inseln, die fortgesetzte Arbeit am Zimmerwerk undSchiffen, die Instandsetzung der Wege auf der Lobau, die An-fuhr von Geschützen und Pulverwagen, alles dieses konnte nichtverborgen bleiben, am entschiedensten aber waren die Bewe-gungen der Truppen, die von der obern und von der unternDonau sich hierher zogen. Um die Täuschung zu vermehren,als wolle man an demselben Puncte auf das Marschfeld Hinaus-brechen, wie zur Schlacht bei Aspern, gebot Napoleon, am2. Juli auch die sogenannte Mühlen-Jnsel zu nehmen, dort eine