Aber in der Gegend von Jedlersdorf wurde der ungestüm nach-dringende Feind, die Reiterdivision Lasalle voran, durch dietapfere Haltung der Bataillonsmassen des Fußvolkes und diekühnen Anfälle des Husaren-Regimentö Kienmayer mit Verlustzurückgeschlagen. Der berühmte französische General Lasallefand hierbei durch eine der letzten Kugeln, die ihn mitten aufdie Stirne traf, den Tod. Das Corps von Klenau stelltesich in der Nähe von Jedlersdorf auf.
Dem Kaiser Napoleon blieb das Schlachtfeld, allein derSieg, den er gewann, war keine Niederlege der Oesterreicher,und alle seine Anstrengungen und die seiner selbfteifrigen Trup-pen brachte die unwillig Weichenden nicht zu Verwirrung undFlucht. Er bewunderte die strenge Ordnung der vor seinenAugen langsam sich entfernenden Heertheile, und versagte demErzherzog Generalissimus das Lob nicht, welches ein so hart-näckiger Widerstand und eine so feste Führung auch in deinFeinde erweckten.
Auf beiden Seiten hatte der Kampf ungeheuere Anstren-gungen und Opfer gekostet. Auf Seite der Oesterreicher warenallein vier Generale (dÄspre, Nordmann, Vukassevich undP. Vecsay) todt und der Erzherzog Carl selbst und zwölf Ge-nerale (Rouvroy, Sicgenthal, Nostiz, Ph. Hessen-Homburg,Mayer, Vacquant, Motzen, K. Stutterheim, Henneberg, Mer-vitte. Paar, Rothkirch) verwundet. — Es gehört unter diesonderbaren Ereignisse dieses Kampfes, daß in demselben derSieger mehr Trophäen verlor, als der Besiegte. Nur EineFahne blieb in den Händen der Franzosen. Auch ging nurweniges Geschütz verloren.
Die Oesterreicher entbehrten in der Schlacht von Wagramder Mitwirkung des Erzherzogs Johann, dessen Vortruppenerst Nachmittags um 4 llhr bei Ober-Siebenbrunn anlangtenund einige Gefangene im Rücken des Feindes machten; alleinda die Schlacht bereits verloren war, auch die Franzosen jetztStreitkräfte genug verfügbar hatten, um ihm zu begegnen, sorückte der Erzherzog nicht näher heran, sondern ging gegenAbend »»verfolgt über die March zurück *).
Der Erzherzog Carl erkannte auch bei Wagram die altenSoldaten von Aspern, und war Zeuge jenes hohen Muthes,
*) Dem Erzherzog Johann ist sein spätes Eintreffen zum Vorwurf ge-macht worden, er hat sich dagegen mit Nachdruck vertheidigt. DieTapferkeit, der Geistesmuth und die Fctdherrngaben dieses Prinzensind anerkannt, und Niemand wird — sagt Varnhagen von Ense —in Betreff dieser Eigenschaften ihn beschuldigen.