Nach der Abdication Napoleons und der Wiederherstellungder Bourbons in Frankreich hatten die verbündeten Fürstengeeilt, auch der übrigen Welt den Frieden wieder aufzurichten.Dem Frieden mit Frankreich, unter solchen Bedingungen, daßsie nach langer Verhöhnung des Rechts wieder ein Beispielder Großmuth und Mäßigung gaben, folgten die anderen Ver-träge und Restitutionen, so viele deren noch zur Beruhigungder Völker und Begründung des alten RechtözustandeS derFürsten nothwendig waren. Was sonst noch zur Ordnung derdeutschen, polnischen und italienischen Angelegenheiten geschehenmußte, das zu ordnen wurde dem Wiener Congresse vorbehalten.In den letzten Tagen des Septembers 1814 traf demnach inder alten Kaiserstadt Deutschlands eine Versammlung von Fürstenund Staatsmännern zusammen, wie sie in dieser Zahl undunter diesem äußeren Glänze das jüngere Europa noch nichtgesehen hatte. Während geräuschvolle Feste und Zauber ab-wechselnder Lustbarkeiten die Blicke Tausender bloß auf dieäußeren Umgebungen der versammelten Fürsten und Diplo-maten zogen, suchte die Politik ihre mannigfaltig verschlungenenAufgaben zur Befriedigung der vielfach einander durchkreuzendenund anseindenen Interessen zu lösen.
Daß F.-M.-L. Radetzky dem Congresse nicht fremd undferne stand und nicht als bloßer, wenn auch aufmerksamerBeobachter dem Gange der Politik zuschaute, dafür zeugt eineStelle in Karl v. Nostiz' Tagebuche über den Congreß, mit-getheilt in dem Buche: „Aus Karls v. Nostiz, weiland Adju-tanten des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen und späterenrussischen Generallicutenants Leben und Briefwechsel" *), welchealso lautet: „Kaiser Alexander, der immer selbst durch persön-liche Gespräche mit Metternich den Fortgang der Unterhand-lungen geleitet, hat zu dieser Zeit (d. i. wo der englische Ge-sandte aus London den gemessenen Befehl erhalten hatte, mitMetternich Hand in Hand zu gehen und das Princip der Er-haltung der Dynastien aufrecht zu erhalten rc.) sich den (öster-reichischen) Minister rufen lassen. Auf die Bekehrung deSEngländers gestützt, hat dieser heftig diöcutirt . . . DerKaiser Alexander hat nachher den Minister Stein, als einenKampffertigen, in die Unterhandlung ziehen wollen, doch Met-ternich sich geweigert, mit demselben in neueren Beziehungenzu tractiren. Noch lauer durch diesen Widerspruch, sind nundie letzten mündlichen Erörterungen durch den
*) Auch ein Lebensbild aus den Befreiungskriegen. Dresden und Leizig,in der Arnsld'schen Buchhandlung, 1848, S. 138—139.