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guten Muthes blieben*), waren doch auf's äußerste erschöpft;sie hatten nicht geschlafen, sich nur spärlich genährt, wie es denSoldaten bei solchen Gelegenheiten immer ergeht. Der Feindgenoß in der großen Stadt jeder Stärkung durch Ruhe, Nahrung,Ablösung. Dabei waren Radetzky Nachrichten zugekommen, dieArmee Carl Alberts nähere sich bedrohlich dem Tessin, die Re-gierung des Cantons Tessin habe Truppen aufgeboten, undwirklich verkündigte die revolutionäre Regierung in Mailand be-reits offen Hilfe aus Piemont und aus der Schweiz, und dieoffene Absagung der Lombardei von Oesterreich. In die politi-sche Gewissenhaftigkeit der Nachbarn setzte Radetzky keinerlei Ver-trauen; jeden Tag konnte ein neuer mächtiger Feind hinzutreten;auch wußte er nichts von dem, was im eigenen Lande vorging;ob er auf frische Truppen rechnen könne und woher; auch hörteer, daß, besonders von Valtelin her, sich bewaffnete Haufen überdie Grenze ergössen, deren Zahl auf 10,000 Mann angegebenwurde. Es gab nur ein Mittel, dem drohenden Sturme Trotzzu bieten: Vereinigung seiner Kräfte, und der einzige Weg dazulag rückwärts.
„ES war ein furchtbarer Entschluß, aber er mußte gefaßtwerden," so lauten die eigenen Worte des F.-M. Radetzky, under wurde schnell gefaßt. Solcher Entschluß einer streng gebieten-den Nothwendigkeit gegenüber ist wie ein kühner Schnitt in'seigene Leben, den gesunden Theil noch zu retten, indem man denkranken trennt, und zeigt nicht nur von der größten Charakterstärke,sondern auch von einer Ausfassung der Lage der Dinge, derenBlick in seiner Schärfe weit hinausreicht über die gerade vor-liegenden Zustände und der eben nur, weil er so scharf ist, übereinen schweren Entschluß hinweghelfen kann. Nur in Wider-wärtigkeiten ist der Mmsch groß, und größere haben einen Heldennie getroffen, als in diesen Tagen den 82jährigen Radetzky Schlagauf Schlag. Diese unerwartete heftige Empörung, der verräthe-rische Anfall von außen, die Zerstreuung seiner Mittel, der Ab-fall und Verrath im eigenen Heere, die Zerrüttung und Hilf-losigkeit zu Hause, der Fall so mancher Feste, Verluste größererArt, wie Venedig. Daß er da sofort den Punkt in's Auge faßte,wo dem Unglücke Halt zu gebieten seyn könnte, und sich darannachher mit eiserner Festigkeit anklammerte, mit dem festen Vorsätze,
*) In seiner Relation sagte Radetzky: „Meine Truppen sind wahrhaft be-wunderungswert!), sie leisten über die Möglichkeit, und bleiben gutenMuthes, obgleich sie seit 4 Tagen unter dem furchtbarsten Wetter nochkeiner Ruhe genossen. Es könnte mir das Herz brechen, daß solcherMuth nicht gegen einen offenen Feind verwendet werden kann."
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