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Feldmarschall Graf Radetzky : sein kriegerisches Leben und seine Feldzüge vom Jahre 1784-1850 / von Franz Jos.Adolph Schneidawind
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Unter diesen Umständen war natürlich Radetzky's Bleibenan der Adda nicht. Inmitten eines empörten Landes, dnrch dieArt seiner Bodenkultur zu den Chikanen eines Volkskrieges sehrgeeignet, die eigenen Kräfte um ein starkes Fünftheil vermindert,ohne Nachrichten von seinem zweiten Armeecorps, ohne Hoffnungeiner schnellen Unterstützung von irgend woher, mit der sichernAussicht, in wenigen Tagen einem überlegenen Feind sich gegen-über zn sehen, konnte und durste er an nichts anderes denken,als sich zu sammeln, wo und wie er konnte, um sich zunächstunter den Schutz der starken doppelten Dertheidigungslinie zustellen, welche der Mincio und die Etsch mit ihren vier Festungenbilden. Es schien dieß um so nothwendiger, als nach dem, wasgeschehen war, selbst in den Hauptplätzen Verona und Mantuadie Gefahr drohte, dnrch Aufruhr und Verrath verloren zn gehen,wenn sie nicht unter den Schutz einer neuen und zahlreichenTruppe gestellt würden. In Verona war durch die Erlaubniß,eine Bürgerwchr zu errichten, dazu ein Anfang gegeben; auchhier trat bald die Forderung hervor, das Castell mitten in derStadt gemeinschaftlich mit dem Militär zu besetzen. Sie möchtenes stürmen, wenn sie könnte», war die lakonische Antwort desGenerals Gerhardt, vor der die Forderung sogleich verstummte.Mit richtigem Blicke zog General d'Aspre das zweite Corpsschnell bei Verona zusammen und gab alle die andern Orte deralten Terra serma vorläufig auf. Radetzky aber schickte die sichereBrigade Wohlgemuth nach Mantua.

In Udine, Treviso, Vicenza, w. wurde die Republik erklärt.Dagegen stritten sich die Lombarden, was sie werden wollten,ob allein stehen, oder ein Staat mit Piemont, ob Monarchieoder Republik, uoch ehe sie dnrch eine That sich ein Recht er-worben hatten, darüber zu reden.

Am 25. März verließ Radetzky mit dem ersten Corps dieAdda; unter den Umständen, wie sie lagen, ist der Entschluß desFeldmarschalls, das ganze Land bis an den Mincio sofort aufzu-geben, nur in jeder Beziehung vortrefflich zu nennen. Man kannnicht früh genug das freiwillig aufgeben, von dem man voraussteht, daß es in Kurzem doch nicht mehr zu halten seyn wird.Nächst dem Muthe, der Gefahr zu trotzen, wo es nützt, ehrteinen Feldherrn nichts so sehr, als der Entschluß, ihr aus demWege zu gehen in schlimmer Zeit, und ehe sie noch so nahe her-anrückt, daß man ihr nur mit Opfern sich entziehen kann; daSbeständige Geschick der mangelnden Voraussicht und der Ent-schlußlosigkeit. Im Kriege hat sehr oft nichts weniger Werth alsein Stück Land. Man gibt es einige Zeit preis, um es desto