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sicherer wieder zu bekommen. So lange und so weit man zuschwach ist, zu schlagen, muß man auch das Land nicht haltenwollen. Hat man erst seine Massen gesammelt, dann ist der ersteSchritt zur Umkehr schon geschehen. — Radetzky zog über Crcma,Manerbio, Monte-Chiari hinter die Chiese. Das Wetter, dieWege waren fürchterlich, die Truppen litten viel, sie mußten bei-sammen bleiben und im feindlichen Lande lagern. Die Armeebot einen Anblick, welcher ungewohnten Augen der einer förmli-chen Auslosung schien*), nur wer den Krieg kannte, wußte, daßes nicht so war; der alte Krieger, sein Pfeifchen rauchend,machte die ruhige Bemerkung: „die Armee sieht auS, wie ebeneine Armee im Kriege," und sah getrost auf einige Tage Ruheund besseres Wetter, welche in einer alten Truppe auch denäußern Schein sofort wieder herstellen. — Am 31. ging Radetzkyüber den Mincio, nur bei Lonato blieb eine Nachhut. Um seineKräfte nicht zu zersplittern, hatte Radetzky befohlen, die kleineFestung Pizzighetone zu räumen. Am 2. April ging er nachVerona, und fand dort sein zweites Corps, wenn auch sehr ge-schwächt**), doch im besten Zustande, die Bürgerwehr entwaffnet,der Platz gesichert, mit der Bewaffnung und Versorgung beschäftigt.Hier konnte man also halten, sich umsehen, sorgen, sichere Kundenach der Hauptstadt schicken, Entschlüsse fassen. Zur Armeemußte gesprochen werden. „Ich bin, sagte Radetzky, aus höhe-ren Rücksichten der Kriegskunst als General gewichen, nicht ihr,— ihr seyd nicht besiegt und werdet es nicht seyn. Wenn wiruns gesammelt, geordnet haben, wenn die Lücken ausgefüllt seynwerden, welche der schnöde Verrath in unsere Reihen gebracht,
*l Die Farbe der Uniformen war kaum mehr zu unterscheiden. Dieser An-blick, dann der buntscheckige Troß, das Geschrei der Fuhrleute, die mit-gefühlten Verwundeten und Kranken, der Jammer der flüchtenden Civil-pcrsonen, u. s. w. war für die an Friedensscenen verwöhnten Augen soetwas Neues und Ausfallendes, als daß sie darin nicht eine Auslösungdes Heeres geschaut hätten. Man eilte, diese Entdeckung durch die Zei-tungen zu verbreiten.
—1 Das zweite Corps erlitt unter anderm auch dadurch Verlust, daß z. B.die Bataillone in Venedig, in Parma, oder einzelne Compagnien inBellnno, Treviso ic. durch abgeschlossene Verträge nicht dircct zu ihrenCorps an den Mincio gebracht, sondern nach Duino, nach Trieft, u. s. w.geführt wurden. — Der eigentliche Geftchtsvcrlust war damals für Ra-detzky der mindeste. In Mailand waren nur 3 Officiere und 176 Manntodt geblieben, dann mehrere Officiere und 231 Mann verwundet und150—180 Mann gefangen worden. Einigen Verlust hatten freilich auchdie Abtheilungen vom Infanterieregimente Hohenlohe, die sich aus Bres-cia, die Szluiner, die sich aus Bergamo herausschlugen, oder die Ula-nen, die sich aus Cremona zurückzogen, erlitten.