384
Dem F.-M. Radetzky bot sich jetzt die wichtige Frage dar,ob er die Linie des Mincio preis geben oder eine Schlacht lie-fern solle. Zwischen dem Mincio und der Etsch, auf der Linievon Peschiera nach Verona, konnte er auf dem vom Monte Ventoausgehenden Höhcnzuge in einer vortheilhaftcn Flankenstellungden Feind erwarten. Dieses scheint noch am 8. April des Feld-marschalls Vorhaben gewesen zu seyn; am 9. gab er dasselbeauf. Sein ruhiger Blick ermaß nicht bloß den Erfolg eineswahrscheinlichen Sieges seiner kampfdurstigcn Krieger für nächsteTage, sondern auch die Folgen für kommende Wochen oder Mo-nate. Ohne Verlust an Menschen und Material war ein Siezüber eine stärkere Armee nicht denkbar, und wenn dann ein neuerFeind sich zeigte, wenn Frankreich, dem kriegerischen Ungestüm derJugend und der Linken weichend, für die italienische Verschwö-rung werkthätig einschritt, woher sollte die österreichische. Armeein Italien eine wider den neuen Feind ausreichende Vermehrungihrer Streitkräfte erwarten, so lange die inneren Unruhen vieleund große Trnppenkörper zurückhielten, und die revolutionärenPartheien in Ungarn, Italien, re. die Soldaten zum Abfall vonder Fahne zu verleiten suchten? — Radetzky befahl den Rückzugnach Verona, und am 10. wurde derselbe vollzogen. Doch bliebdie Verbindung mit Mantua und Peschiera einstweilen noch un-terhalten.
Gleichzeitig mit den Ereignissen bei Goito bestand auch dieBrigade Fürst Liechtenstein ein erfolgreiches Gefecht gegen dieAufständer. In der Gegend von Montebello hatten sich größereund geregeltere Haufen von Insurgenten sehen lassen, welche derFeldmarschall zu züchtigen befahl. Die Brigade Liechtenstein er-hielt daher den Befehl, bis S. Bonifacio vorzugehen, und vonda aus einen Zug bis Montebello zu unternehmen. GeneralmajorFürst Liechtenstein rückte dem gemäß am 7. von Verona ab, über-nachtete in S. Bonifacio und vollzog am 8. seinen Auftrag.Die Straßen waren theils durch Verhaue, theils durch Abgra-bnngcn u. dgl. unwegsam gemacht, welche Hindernisse jedoch durchdie k. k. Pionniere bald beseitiget wurden. Auf den, die Straßezur Linken begleitenden Höhen gewahrte der Fürst Liechtensteinviele Menschen, von welchen er jedoch nicht unterscheiden konnte,ob dieselben bewaffnet oder uubewaffnet seyen; mit ein paar Ka-nonenschüssen wurden dieselben auseinander gesprengt. Aber inSorio fand man ernsten Widerstand. Hier hatte sich eineSchaar venetianischer Kreuzfahrer, namentlich paduaner Studen-ten, in zierlichen, mit Kreuzen geschmückten Mänteln, und dieinsurgirten Bewohner der nächstgelegenen Ortschaften festgesetzt,