Das zweite k. k. österreichische Corps hatte, seiner erhaltenenWeisung gemäß, um 4 Uhr seinen Angriff damit begonnen, daßseine ganze Artillerie, 36 Geschütze, es vornahm. Man wußte nichtsvon dem, was bei Santa Lucia vorging. Das mit Bäumendicht besetzte Terrain erlaubte keine freie Uebersicht. Ein Umstand,der in Oberitalien durchweg stattfindet, und manche Gefechts-erscheiuung erklärt, welche sonst nicht zu verstehen wäre. EinBereiten der Linien, eine übersichtliche Stellung für den Feld-herrn, der führt, ist fast nirgends möglich; wer was sehen will,muß Dächer hoher Häuser oder Thürme besteigen, und auch dannsieht er meist nichts, als ein Gefecht unter dem grünen Dacheder Maulbeerbäume oder Weingelände. Die Artillerie hat mitgroßen Schwierigkeiten zu kämpfen, um einen Platz zum Auf-fahren zu finden. Kavallerie ist selten in größeren Massen alsin Escadrons zu verwenden. — Auch das zweite k. k. Armee-corps fand kaum einen Widerstand mehr. Einer Verfolgung imgroßen Style mit Reiterei stand hier, wie bemerkt, die Beschaffen-heit des Terrains entgegen. Dennoch gelang es den nachrücken-den Oesterreichern, mehrere Gefangene zu machen. Mit Sorgfalttrug der gemüthliche österreichische Krieger den verwundeten Feindnach dem Spital und schleppte ihm noch den Tornister mit.
Um 6 Uhr Abends hatte die piemontestfche Armee wiederihre Stellung vom frühen Morgen bezogen, und die österreichischenVorposten hielten wie zuvor auf eine halbe Stunde von Somma-campagna.
In diesem für Radetzky ehrenwerthen Kampfe waren auch derKaiser Franz Joseph, damals noch Erzherzog Franz Joseph, undder Erzherzog Albrecht, Sohn d'es verewigten Siegers von Aspern,persönlich zugegen und theilten die Gefahr der durch ihr tapferesBenehmen angefeuerten Truppen.
Der heutige Tag kostete Opfer. Oestcrreichischer Seits fielender General Graf Ulysses von Salis-Soglio, welcher sich dervordringenden Brigade Strassoldo freiwillig angeschlossen hatte,von einer Kugel in die Brust getödtet, der Oberstlieutenant Leuzen-dorf von Geppert Infanterie und noch 10 Officiere. Auf piemon-tesischer Seite fiel Oberst Caccia vom 5. Regimente von derBrigade Aosta nebst mehreren Osficieren. Der ganze piemonte-stsche Verlust bestand in 700—800 Mann. Geringer war derEinbuß der Oesterreicher.
Mit dem Verhalten seiner italienischen Truppen war Ra-rend der ganzen Action sich hätten zu Fuße sehen lassen, und daß vieledie Epaulettes weggelegt hätten!!