40 «
detzky sehr zufrieden, und vertraute dem GrenadkerbataillonDanthon die Bewachung seiner eigenen Person an*).
Der Sieg von Santa Lucia befreite die bedrängte öster-reichische Armee für den ganzen Rest des Feldznges von demAndringen des Feindes. Zum ersten Male erfuhr dieser hier,daß es doch nicht so leicht seyn würde, in einem nur wenig be-strittenen Triumphmarsche gegen Wien vorzurücken, um dort derdamals von inneren Stürmen erschütterten alten mächtigen Mo-narchie den Frieden vorschreiben zu können. Die alten in Zuchtund Treue gebildeten Bataillone traten hier zum ersten Male,von den nnsichern Elementen, welche sie unter sich gezählt, gerci-niget, der leichtsinnig und ohne Prüfung ihrer Stärke unternom-menen Schildcrhebnng der verschiedenen Provinzen Italiens ent-gegen. Im freien Gebrauche ihrer Kräfte, erbittert aus denübermüthigen Gegner, den sie wenig achteten, vor dem sie aber,in der Trennung verrätherisch überfallen, einen Augenblick hattenwelchen müssen, fest vertrauend auf ihre Führer, zerschelltenzuerst die schlecht gedachten, wenn auch mitunter tapfer geführtenAngriffe der Gegner an dem Widerstände weniger Bataillone,und es bedurfte dann nur eines Schrittes der tapfern Massenvorwärts, so floh der Feind, um für längere Zeit nicht an dasWiederkehren zu denken.
So sehr es im Wunsche Radetzky'S lag, sogleich nach demSiege von S. Lucia zum Angriff überzugehen, so beherrschte dochdiese Kriegslust seine begründete und unverändert gebliebene Ueber-zeugung, daß, um den Schlag der Entscheidung zu führen, dieAnkunft des Reservecorps unter Nugent abzuwarten sey; zumalda Verona mit seinen 60,000 Einwohnern, welche nur bis jetztdurch die Gegenwart der Armee von Aufruhrversnchen abgehaltenworden, stark besetzt bleiben mußte.
Bis zu dieser Vereinigung mit dem Reservecorps konnteRadetzky nun sein Augenmerk vorzüglich aus jene Vorbereitungenzu einer künftigen Offensive wenden, welche ihre Sicherheit be-gründen und ihre Bewegungen erleichtern. Zwei Gegenstände warenes, nebst der gänzlichen Vollendung der Ausrüstung der Armee,welche in dieser Hinsicht die ganze Sorge des Feldmarschalls inAnspruch nahmen: 1) die Vollendung der in früheren Jahren
*) Bedeutende Desertionen fanden zwar noch tmmer statt, jedoch nicht inauffallenderem Maße, als sie bet jungen Truppen, deren nahe Hctmathzum Kriegsschauplätze geworden, bei allen Nationalitäten sich schon ge-zeigt haben. Die Verführungen zur Desertion erstreckten sich auch aufdie Ungarn, deren Ausreißern Carl Albert die Zusicherung freier Heim-kehr nach der Heimath ertheilt hatte.