A96
die Stadt Brescia sollten den Oesterreichern wieder übergeben werden.Das darin befindliche, Oesterreich gehörige Kriegsmaterial solltegenanntem Staate zurückgestellt werden. Die Herzogthümer Mo-dena und Parma, sowie die Stadt Piacenza mit dem ihr alsKriegSplatz zugewiesenen Gebietsrayon sollten nach drei Tagengeräumt werden. Die Convention sollte sich gleichermaßen aufdie Stadt Venedig und das venetianische Festland ausdehnen;die sardinische Land- und Seemacht sollte Venedig, seine Fortsund Häfen verlassen, und nach den sardinischcn Staaten zurück-kehren.
Manche Punkte dieser Convention boten indessen bei derErfüllung derselben Schwierigkeiten, selbst von Belange. DieStadt Venedig erkannte ihre von Car! Albert ausgesprocheneUebergabe nicht an; sie blieb in ihrem Revolutionszustande, undführte als St. Mareusrepnblik den Krieg fort. H Auch derCommandant von Osopo, Ludwig Zanink, wies alle Aufforderun-gen zurück und übergab den Platz erst am 14. Oktober an einBataillon Hrabowsky, welches 5'/z Monate davor gestanden hatte.
Dagegen wurde am 14. August Rocca d'Anfo ohne Schwie-rigkeit an den k. k. General Roßbach übergeben. Ebenfalls am14. August wurde Peschiera übergeben. Auch ohne diese Con-vention hätte sich die piemontesische Besatzung in Peschiera nichtlange halten können. Seit dem 26. Juli war diese Festung vomF.-M.-L. Haynan, welcher sein Hauptquartier in Ponti genom-men hatte, auf der Landseite eingeschlossen, und seit dem 9. Augustaus 52 Geschützen bombardirt worden. Am 10. waren eineBombe und eine Granate in ein Magazin gefallen, welche dortdie gefüllten Granaten entzündet und eine große Verwüstung an-gerichtet hatten.
Das Herzogthum Modena wurde durch F.-M.-L. Fürst FranzLiechtenstein wieder für seinen rechtmäßigen Herrn in Besitz ge-nommen, und mit Jubel pflanzte die modenesische Besatzung desForts Brescello die alte Fahne deö Hauses Este auf. DasHerzogthum Parma besetzte F.-M.-L. Thurn. Dieser Generalhielt am 16. August in der Hauptstadt seinen Einzug, und eine
*) Bei der Räumung Venedigs durch die piemontesische» Truppen scheintmanches Ungerade mit unterlaufen zu seyn, denn F.-M. Radctzky fand sichbewogen, als Reprcffalic einen vertragsgemäß aus Peschiera abziehendenpiemoutesischen Geschützpark von 80 großen Kanonen in seinem Marscheaufzuhalten und einstweilen in Verwahrung zu nehmen. Die Zögerungin der Einschiffung der Piemontesen ist evident absichtlich gewesen. Vonösterreichischer Seite erwartete man die Uebergabe derjenigen Forts vonVenedig, welche die Piemontesen wirklich besetzt hielten; allein diese über-gaben die Posten den Insurgenten und Feinden Oesterreichs.