Zoo
reichen, gesegneten Städten der Lombardei seyn, und Zeit findenwürden, den äußern Schein mit dein innern Gehalt in Einklangzu bringen. Und so kam es auch! Die provisorische Regierung,obgleich sie unnützer Weise viel verbraucht, hatte doch noch genuggelassen, um die Armee neu zu kleiden und sie in guten kriegsfähi-gen Stand zu setzen. Nicht als ob in den Cassen auch nur eineinziger Lire zu finden gewesen wäre, Gott bewahre! Dafürhatten die Vertrauensmänner schon gesorgt. Aber Vater Radetzkywußte sich zu helfen, und der Winter war noch lange nicht ver-gangen, da hatten die Soldaten schon wieder, was sie brauchten.Es ist damals viel gefabelt worden von den Gütern, die Ra-detzky eingezogen hätte, von den unerschwinglichen Kontributionen,womit er Städte und Leute gedrückt, von den prachtvollen Palä-sten der mailänder Großen, die er in Caserneu und Spitälerverwandelt, und sie der Zerstörungslust der Soldaten preis gege-ben hätte. Aber an allem dem ist in dem Sinne, wie es erzähltworden, nichts wahr. Es haben auch nur solche Leute solcheErfindungen verbreitet oder geglaubt, denen es ein Vergnügenwar, das strahlende Bild des großen Feldherrn befleckt zu sehen.
F.-M. Radetzky schlug in Mailand sein Hauptquartier indem kleinen Palais der Villa Reale auf, in dem ehemaligen Land-hause deS Vicckönigs, welches derselbe jedoch nur zum Absteige-quartier benützte, wenn er von Monza nach Mailand kam. Esist vom Fürsten Belgiojoso erbaut, und heißt auch Villa Bonaparte.Die liebliche Villa, die jedoch nur an der Gartenfayade, welchemit schönen merkwürdigen Basreliefs verziert ist, sehenswert!) ist,ist rings von Grün umgeben und liegt, still und heimlich da, ab-gesondert von dem lärmenden Treiben der großen Stadt, aberjetzt den Mittelpunct eines eigenthümlich bewegten Lebens bildend.Der Feldmarschnll bewohnt den ersten Stock der Villa, eine Reihegroßer Säle und Zimmer, schön und geschmackvoll, jedoch ohneübertriebenen Lurus möblirt. Seine eigenen Sachen, seine Mö-bel, Krystall, Silbergeschirr hat Radetzky bei dem Rückzug ausMailand 1848 ebenfalls fast sämmtlich verloren.
Radetzky und alle kaiserlichen Behörden suchten mit Umsichtin den lombardisch-venetianischen Provinzen den gesetzlichen Zu-stand wieder zu befestigen, und Ruhe und Ordnung herzustellen.Bald waren in Mailand selbst die letzten Spuren der letztenKämpfe an der Porta Romana oder Porta orientale, durch Weg-räumung der Schutthaufen, vertilgt, und bald war Mailand selbstnicht öder, wenn auch nicht belebter als ehedem. Es warengrößtentheils nur Familien der sogenannten Nobili, welche, nach-dem sie mit ihrem Gelde den Aufstand eingeleitet, und Tausende