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Nach dem Inhalte dieser Depesche hätten also die Oester-reicher den Waffenstillstand schon eigenmächtig gebrochen; dochblieb die „8pa<1a cl'Italia" den Beweis hiezu schuldig. Man kannsich keinen Begriff machen von der Freude, mit welcher F.-M.Radetzky diese Botschaft in Empfang nahm und sie seinen Offi-cieren mittheilte. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachrichtdurch das ganze Haus bis zu den Soldaten, die sich in ihremJubel gebcrdeten, als zogen sie schon durch die Thore von Turinein. Aus den Straßen traten die Officiere in Gruppen zusam-men, oder riefen, mit der wichtigen Nachricht zu ihren Freundenund Bekannten eilend, einander zu: „Weißt Du's schon! —Gott sey Dank! — er hat gekündet!" — Es war ein Enthu-siasmus, eine Freude wegen des bevorstehenden Feldzuges, dienicht zu schildern ist, und der Jubel wurde immer stärker, je mehrsich der Inhalt der Depesche verbreitete.
Der picmontesische Major Cardoaa verließ die Wohnungdes Feldmarschalls in solcher Eile, daß er ganz vergaß, dieEmpfangsbescheinigung mitzunehmen, und deßhalb wieder umkeh-ren mußte. Eine Einladung zur Tafel lehnte er ab.
Gegen Abend dieses denkwürdigen Tages füllte sich der Hofder Villa Reale mit Tausenden von Soldaten und Offeneren.Fackeln warfen ihren rothen Schein an das Haus und dieBaumgruppen und zitternde Strahlen auf das Gold der Unifor-men und die glänzenden Waffen. Sechs Musikchöre, gefolgtvon einer unzähligen Menge Soldaten aller Waffen, zogen festenSchrittes in den Hof hinein, um dem Feldmarschall, ihrem „Va-ter Radetzky", ein Ständchen zu bringen, einen Dank für dieoktroyirte Verfassung und einen Dank, daß er so gut seyn wolle,sie ein wenig nach Turin, der schönen Hauptstadt Sardiniens, zuführen. „Turin muß genommen seyn! Vater Radetzky hat'sgesagt, und was der sagt, ist so gut, wie schon geschehen!"Donnernde, sich immer wiederholende Vivats zerrissen die Luft,und als endlich der Feldmarschall auf den Balkon heraustratund sich umschaute mit deu klugen und freundlichen Augen undherzliche Worte zu „seinen Kindern" sprach, da wollte der Jubelgar nicht enden, und Manchem sind Thränen in den langenSchnurrbart gelaufen*). — Nach der Serenade zogen die Musik-Chöre durch die Straßen der Stadt, lustige Kriegsmärsche und
') Der liebenswürdige Hochländer, der diese Scene schildert, ruft aus: „Ichhabe schon viele Ständchen, viele Vivats gehört, aber nie mit der Be-geisterung wie hier. Mit einer solchen Armee muß man siegen. Altediese tausend Herzen schlagen ihrem Führer vertrauensvoll entgegen, allewollen mit ihm siegen oder untergehen."