die Volkshymne spielend, gefolgt von Tausenden von Soldaten,Arm in Arm lange Reihen bildend; der Jäger neben dem Gre-nadier; der Ungar neben dem Deutschen, Kavalleristen, Infante-risten, Artilleristen, alles bunt durch einander. Kräftig hallteder Schritt der Männer durch die nächtlichen Straßen; an denStraßenecken hielt der Zug, und abermals donnernde Vivats fürRadetzky. In der Scala spielte der dritte und letzte Act diesesFrcudenspkels. Nach dem ersten Akt der Oper füllten sich dieweiten, aber bis dahin ziemlich leeren Räume des ungeheuerenHauses mit Officieren aller Waffen und Grade, und stürmischwurde die Volkshymne verlangt. Der Vorhang ging auf, undbald klang hell und frisch durch diesen Saal, der nur italienischeWeisen gewohnt ist, das deutsche Lied: „Gott erhalte unsernKaiser!" — Auf allen Helmen, Tschakos und Mützen wehtengrüne Büsche.
An demselben Tage erschien der Tagsbefehl deS F.-M.Radetzky, der in seiner kräftigen Sprache wohl geneigt war,das kriegerische Feuer der Soldaten noch heftiger anzufachen,wenn das nämlich nothwendig gewesen wäre. Der Tagsbefehtlautete, wie folgt:
„Soldaten! Eure heißesten Wünsche sind erfüllt. DerFeind hat den Waffenstillstand aufgekündet. Noch einmal streckter seine Hand nach der Krone Italiens aus, daher soll er er-fahren, daß sechs Monate nichts an Eurer Treue, an EurerTapferkeit, an Eurer Liebe für Euren Kaiser und König geänderthaben. Als Ihr aus den Thoren Verona's auszöget und vonSieg zu Sieg eilend den Feind in seine Grenzen zurücktriebet,gewährtet Ihr großmüthig einen Waffenstillstand, denn er wollteden Frieden unterhandeln, so sagte er; doch statt dessen hat ersich zum neuen Krieg gerüstet. Wohlan denn, auch wir sind ge-rüstet; den Frieden, den wir ihm großmüthig geboten, wollen wirin seiner Hauptstadt erzwingen. Soldaten! der Kampf wird kurzseyn, es ist derselbe Feind, den Ihr bei St. Lucia, bei SommaEampagna, bei Custozza, bei Volta und vor den Thoren Mai-lands besiegt habt. Gott ist mit uns, denn unsere Sache ist diegerechteste. Auf, auf, Soldaten! noch einmal folgt Eurem greisenFührer zum Kampf und Siege. Ich werde Zeuge Eurer tapfernThaten, und es wird der letzte Act meines langen, frohen Sol-datenlebens seyn, wenn ich in der Hauptstadt eines treulosenFeindes die Brust meiner wackeren Gefährten mit dem blutigund ruhmvoll errungenen Zeichen ihrer Tapferkeit werde schmückenkönnen. Vorwärts also, Soldaten, nach Turin lautet die Losung,