gens desselben Tages verließ das k. k. Hauptquartier Pavia undfolgte der Armee; diese war vom Wetter begünstigt, denn einherrlicher Tag dämmerte auf, als sie in des Feindes Land sohinzog.
Der Feldmarschall ließ durch die Armee nachstehende An-sprache an die Piemontesen in den Dörfern, durch welche sie zog,vertheilen, und man fand sie an manchen Häusern angeheftet. Sielautete wörtlich: „Bewohner Piemonts! Bekanntlich brach EuerKönig vergangenes Jahr wider alles Völkerrecht in das Gebietdes Kaisers, meines Herrn, ein. Diesen in der Völkcrgeschichtebeispiellosen Angriff warfen meine Siege zurück, und meine sieg-reiche Armee stand au den Usern des Tessin. Euer König konnteEuch nur die Verheerung und Greuel des Krieges ersparen, wenner den angebotenen Frieden annahm; statt dessen, von ehrgeizigenProjekten gestachelt, bedrohte er von Neuem widerrechtlich dieStaaten meines Kaisers. S§ zwingt er mich, das Kriegstheaterin Euren fruchtbaren Gauen aufzuschlagen. Ihm also, nicht mir,dankt Ihr daö Unheil, welches jener ungerechte Angriff über Euchbringen wird. Ich betrete mit meiner Armee Piemont, um dengeängstigt«: Völkern endlich Friede und Ruhe wiederzugeben.Das Ungemach, welches im Gefolge des KriegeS ist, kann ichfreilich nicht abwenden, aber die Disciplin meiner Armee bürgtEuch für die Sicherheit der Person und des Eigenthums. MischtEuch nicht in das Spiel der Waffen, überlaßt die Entscheidungden Soldaten, da Ihr anders ohne Hoffnung auf Erfolg nurden Druck des Krieges vermehren, mir aber die Möglichkeit neh-men würdet, ihn nach Kräften zu erleichtern. Niemals wurdeein so ungerechter Krieg, als von Eurem König gegen den Kaiser,meinen Herrn, begonnen, niemals ein so gerechter, als den ichgegen Euch, gezwungen, führen muß. Mich reizen nicht, wieCarl Albert, Eroberungsgelüste, sondern ich glühe für die Ver-theidigung der Rechte meines Kaisers und die Integrität desReiches, welche Eure Regierung, im Bunde mit dem Ausstände,treulos bedroht."
In Garlasco hielt der Feldmarschall Radetzky einige Stundenan, um die Truppen bei sich vorbeidefilireu zu lassen. Er warsehr heiter und guter Laune; er freute sich sichtlich, als die Trup-pen so munter und kräftig bei ihm vorbeimarschirten. Donnern-des Hoch erschallte jedesmal, wie sie des alten Herrn ansichtigwurden, und man sah, mit welcher Lust die Soldaten ihrem VaterRadetzky durch dieses Jubelgeschrei ihre Anhänglichkeit und Liebebezeugten. — Auch die Leute des Dorfes hatten sich herzuge-drängt, um den berühmten Marschall zu sehen, und umstanden