feindliche Colonne, die von Vigevano kam. Die vorläufig be-kannten Früchte dieses Gefechts sind mehrere hundert Gefangene,darunter ein Stabsofficier. Der Verlust unserer Seits ist unbe-deutend, doch können wir denselben noch nicht angeben, da dieDetailrapporte fehlen. Heute, 22. März, geht das Hauptquartierüber Mortara weiter. Die Armee jubelt, der Feldmarschall genießtdes besten Wohlseyns."
Radetzky verließ am 22. Trumello, um sich nach Mortarazu begeben. Ehe er aber diesen Ort verließ, ereignete sich einVorfall, den wir erzählen müssen.
Schon öfter hatten die Generale den Feldmarschall gefragt,warum er sich den Schnurrbart nicht wachsen lasse? und er ge-antwortet: „Na, laßts mich aus mit Euren Geschichten, ich hab'nach dem Reglement schon lang keinen Bart mehr getragen undwerde jetzt nicht wieder anfangen." — „Aber", entgegnete ihm einstF.-M.-L. Schönhals, „die ganze Armee trägt jetzt Bärte undnur der Erste derselben, Eure Excellenz, nicht." Dieß Capitelkam, ehe man Trumello verließ, während des Frühstückes wiederzur Sprache, und man drang von allen Seiten in den alten Herrn,namentlich Graf Pachtn, der wunderbare Ernährer der Armee,mit lustigen Redensarten und Bitten. Endlich rief Radetzkylachend: „Jetzt paßt's mir aus, ich will euch was versprechen;wenn wir die Piemontesen in einer großen Schlacht tüchtig klopfen,so lasse ich meinen Schnurrbart wachsen." Ein allgemeiner Jubelfolgte dieser Erklärung und das Frühstück wurde mit großer Hei-terkeit beendigt. Bald erschallte daS Zeichen zum Aufbruch undAlles ritt gegen Mortarra.
In Mortara hielt sich Radetzky einige Zeit auf. Manschaute die Trophäen des vorausgegangenen Tages*). Im ganzen
») Aus einem ziemlich großen Palaste — schreibt Hacklänver — schautendie gefangenen piemontesischen Officicre heraus, und es schienen dieselbenüber die erlittene Niederlage durchaus nicht untröstlich. Sie rauchtenCigarren und lachten und schäckcrten mit gegenüber wohnenden Frauenund Mädchen, was mir in diesem Moment gerade nicht zu Gunsten dessittlichen Werthes jener Herren sprach. Böse Zungen wollten sogarbehaupten, es sey manchem piemontcsischen Ofstcicr und Soldaten geradenicht unangenehm gewesen, in österreichische Gefangenschaft zu fallen,und mancher, der wohl die fliehende Armee hätte begleiten können, habesich hier gern gefangen nehmen lassen. Vor Mortara sah ich einen ein-zigen Gefangenen, der mir Interesse einflößte; es war der Musikmeisterirgend eines Regiments. Er stand, in einem dunkeln Burnus gehüllt,mit untergeschlagenen Armen regungslos zwischen einem Hausen gefan-gener Soldaten, die am Boden lagen; in seinen Zügen war tieferregen-der Schmerz zu lesen, obgleich gewiß pon den Unseligen nichts geschehenwar, was ihm das Peinliche seiner Lage hätte verdoppeln können, wie